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Der Schattenmann, der heimliche Geliebte einer gebundenen Frau
Anziehungskraft durch Seelverwandschaft

Emotionales Hintergrundrauschen: Schattenmänner und Schattenfrauen

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Durch Frauenforen und Sex-Chats geistert seit einigen Jahren ein geheimnisvolles Wort: der Schattenmann. Hierbei handelt es sich nicht um einen Mafia-Agenten, sondern um eine von Frauen ins Leben gerufene neue Bezeichnung für heimliche Affairen.

Begriffe wie Seelenverwandtschaft, Zwillingsbeziehung, Seelenpartner und ähnliche Schwergewichte werden herangezogen, um das erotische, aber auch sehr emotionale Verhältnis zu diesem einen Menschen zu definieren. Während Männer eher pragmatisch von Fremdgehen sprechen, scheinen viele Frauen das Bedürfnis zu haben, ihre außerehelichen Aktivitäten zu ritualisieren, zu etwas Hehrem zu überhöhen.

Auffällig ist dabei: Kaum eine der Betroffenen ist nach eigener Aussage glücklich damit. Die Threads und Berichte über Schattenbeziehungen, die gegenüber dem eigentlichen Partner meist als platonische Freundschaften dargestellt werden, sind geprägt von Schmerz, Verzweiflung und unerfüllter Sehnsucht. Gleichzeitig wird von Liebe, von tiefem Vertrauen gesprochen – und von Zerrissenheit, weil natürlich Schuldgefühle und Zweifel gegenüber der Basis-Beziehung bestehen.

Der Ausgang dieser Geschichten ist ebenso stereotyp wie die Darstellungen: Aufgrund der enormen Spannung scheitern häufig erst die Schattenbeziehungen und dann die Basisbeziehung. Bislang wurde kein Fall öffentlich, in dem sich eine Geliebte für die Liebe zu ihrem Schattenmann entschied und die Basis-Partnerschaft beendete. Aber warum sucht überhaupt jemand nach einer nervenzerfetzenden Außenbeziehung? Woher rührt die Sehnsucht nach dem »Schatten«?

Liegt der Grund immer in der Partnerschaft?

Liebe wird nicht weniger, wenn man sie mit anderen Menschen teilt. Und wir alle wissen, dass es möglich ist, mehrere Menschen aufrichtig zu lieben, ohne dass einem Basis-Partner dadurch etwas weggenommen wird. Die Sehnsucht, verstanden zu werden, erkannt und geliebt zu werden, ist so alt wie das Menschsein selbst. Insofern sind Außenbeziehungen oder tiefe Freundschaften, die mit Seelenverwandtschaft etc. erklärt werden, nichts Verwerfliches, sondern im Gegenteil etwas Schönes und sehr menschlich. Was, wenn es ehrlich verkommuniziert wird, sogar eine Bereicherung für die Basis-Partnerschaft darstellen kann. Voraussetzung ist allerdings, dass die Seelenverwandtschafts-Sache nicht nur als Camouflage für eine schnöde sexuelle Affaire missbraucht wird. Und der betrogene Partner dadurch gleich zweifach hinters Licht geführt wird.

Clement sagt: Nur eine defizitäre Beziehung bietet Raum für Seitensprünge. Wenn die Balance zwischen ruhiger, emotionaler Heimat und aufregender Leidenschaft nicht mehr stimmt, dann erwacht die Unruhe. Das Gefühl, etwas zu verpassen. Und die Anfälligkeit für fremde Verführungskünste. Ist es wirklich so einfach?

Diese Logik erinnert etwas an die 60er Jahre. Damals riet man betrogenen Ehefrauen noch, sie mögen doch bitte von Vorwürfen absehen und Verständnis für den Gatten zeigen, denn die Ursachen für die »Fremdgehlust« ihres Mannes lägen ja schließlich in mangelnder Attraktivität, sexueller Inaktivität oder nachlassenden Leistungen als Hausfrau und Gastgeberin begründet. Anderslautende Studien und Umfragen kommen glücklicherweise zu einer anderen Schlussfolgerung, nämlich: Ein Seitensprung oder mehrfaches Fremdgehen ist nicht zwangsläufig »persönlich« gemeint!

Das heißt, selbst in einer harmonischen, erfüllten, rundum glücklichen Partnerschaft kann es einen von beiden erwischen. Eine Begegnung im Alltag, eine Zufallsbekanntschaft im Internet, es kann überall geschehen. Die richtigen Worte, eine bestimmte Geste, der Klang einer Stimme, eine bestimmte Musik, ein Geruch - und schon »funkt« es. Kopfkino. Unabhängig davon, wie defizitär oder glücklich die Beziehung zuhause ist. Dieses spontane Verlieben und Kribbeln hat nichts mit Liebe zu tun, schließlich kennt man den anderen überhaupt nicht. Es geht vielmehr um eine unterschwellige, archaische Anziehungskraft. So ernüchternd es klingt, aber: Wir haben ihn nicht unter Kontrolle, diesen »Crush«, der uns ohne Vorwarnung umhauen kann.

Was wir unter Kontrolle haben, ist der weitere Verlauf. Ein One-Night-Stand? Ein minutenkurzer Flirt? Eine Affaire? Eine Freundschaft? Oder gar eine neue Liebe? Diese Optionen sind keine reinen Instinkthandlungen mehr, sondern bewusst wählbar. Und das ist dann wiederum sehr persönlich, denn hier entscheidet jeder einzelne, wie wichtig ihm die Loyalität zum Partner ist - und wie wichtig das neue, aufregende Erlebnis mit dem oder der Unbekannten. Wer also beschließt, es auf einen Seitensprung ankommen zu lassen, obwohl in der Basis-Partnerschaft Monogamie vereinbart wurde, tut dies bewusst und in dem vollen Wissen, den Partner zu hintergehen.

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Seite 3: Nicht der Seitensprung zerstört eine Ehe, sondern die Lügen danach

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