Promiskuität – was ist das eigentlich?
Der Begriff Promiskuität kommt aus dem Lateinischen (promiscuus »gemeinsam« und promiscere »vorher mischen«). Im engeren wissenschaftlichen Sinne bezeichnet er sexuelle Beziehungen, bei denen die Partner nicht nach bestimmten emotionalen oder sozialen Kriterien ausgesucht werden. Man könnte auch sagen: Promiskes Verhalten ist vor allem gekennzeichnet durch ein körperliches Interesse; die Befriedigung sexueller Bedürfnisse steht dabei im Vordergrund. Verliebtheit oder Liebe müssen nicht im Spiel sein, sogar gegenseitige Sympathie ist nicht immer gegeben. Insofern ist Promiskuität das Gegenteil der festen Paarbeziehung oder Ehe. Im Tierreich spricht man von promiskem Verhalten, wenn sich Männchen oder Weibchen in einer Saison mit mehreren Geschlechtspartnern paaren.Vamps und Casanovas
Umgangssprachlich wird der Begriff der Promiskuität weiter gefasst bzw. weniger präzise verwendet. Personen, die häufig ihren Geschlechtspartner wechseln und keine längeren Beziehungen eingehen, gelten als promisk. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Normen und Werte wird dieses Verhalten oft negativ bewertet. Bei genauerem Hinsehen lässt sich allerdings schnell feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, konkrete Aussagen zum Beziehungsverhalten einzelner Betroffener zu machen. So scheitern zum Beispiel Quantifizierungsversuche schnell. Wann kann man überhaupt von Promiskuität sprechen? Bei 2, 7, 20 oder mehr wechselnden Partnern pro Jahr? Wer will diese Zahl festlegen? Und kann die Anzahl der Geschlechtspartner ein ausschließliches Kriterium sein? Empirische Forschungen, die Ergebnisse aus Befragungen und auch die Tatsache, dass das Thema in vielen Internetforen heiß diskutiert wird: All dies zeigt, dass eine klare Eingrenzung und Definition des Begriffs nicht leicht ist. Sie hängt ab von gesellschaftlichen Traditionen und Konventionen, von Erziehung und Sozialisation des Einzelnen. Es kristallisiert sich schnell heraus: Es ist nicht nur ein Faktor, der promiskes Verhalten beschreiben könnte. So kann allein die Anzahl der Geschlechtspartner, die ein Mensch pro Jahr oder in seinem Leben hat, allenfalls ein Anhaltspunkt, nicht aber das ausschlaggebende Kriterium sein.Lotterleben oder normaler Findungsprozess?
Daniel hat 5 Jahre lang in einer festen Beziehung mit Lisa gelebt – ganz treu und exklusiv. Schließlich scheitert die Beziehung, und Daniel macht sich nach einer Verarbeitungsphase auf die Suche nach einer neuen Partnerschaft. Er lernt Frauen kennen, verabredet sich, stellt manchmal aber schon nach dem ersten gemeinsamen Drink fest, dass eine Beziehung nicht in Frage kommt. Oder sie ist nicht interessiert. Mit anderen Frauen trifft er sich vielleicht häufiger, auch der eine oder andere One-Night-Stand ist dabei. Innerhalb eines Jahres schläft Daniel mit 7 verschiedenen Frauen. Dann lernt er Anna kennen – und lässt sich mit ihr wieder auf eine längere Beziehung ein. Wie ist das Verhalten von Daniel zu bewerten? Sicher würden die meisten ihm kein verwerfliches »Lady-Hopping« unterstellen, auch wenn der reine Blick auf seinen »Frauenverschleiß«, also die Anzahl seiner Bekanntschaften und wechselnden Sexualkontakte den Schluss nahelegen würde. Aber Daniels Verhalten weckt wahrscheinlich eher Verständnis oder wird zumindest akzeptiert. Warum? Weil es von kurzer Dauer ist? Weil es nur eine Phase markiert hat, in der Daniel eine neue Beziehung suchte – und zwar generell doch eine auf Dauer angelegte? Eines bestätigt sich auf jeden Fall schon jetzt: Es müssen noch weitere Komponenten hinzukommen, um wirklich von Promiskuität sprechen zu können. Und in einem zweiten Schritt wäre auch noch zu erwägen, was genau an der Promiskuität eigentlich die verbreiteten gesellschaftlichen Ressentiments hervorruft. Dieser Artikel hat 3 Seiten. Lesen Sie auch . . .Seite 1: Promiskuität oder: Bäumchen wechsel dich!
Seite 2: Promiskuität – Alles eine Typfrage?
Seite 3: Modern ist, wenn man’s trotzdem macht















