Seite empfehlen  |   Mitglieder Login » 
»

Liebesbeziehungen mit mehreren Partnern - kann soetwas funktionen?
mehr als einen Menschen lieben

Polyamorie vs. Monogamie

Dion Fortune, eine der wichtigsten spirituellen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, hat sich mit dem Thema Partnerschaft intensiv beschäftigt. Sie stellt eine interessante Theorie auf: In einer glücklichen Ehe, in der Liebe und körperliches Verlangen harmonisch ausgelebt werden, baut sich durch das Zusammensein ein Energiefeld auf, das beide Partner in einer exklusiven schützenden Aura verbindet. Diese wirkt wie ein Schutzschild gegen Angriffe und Störungen durch Dritte.

Da stellt sich die Frage: Wenn das so ist, warum sind dann Affären und der Seitensprung in vielen Ehen an der Tagesordnung, der »schützenden Aura« zum Trotz? Fortune sagt, es sei umgekehrt. In diesen Beziehungen existiert eben genau keine Aura. Wer sich in einer Beziehung befindet, ohne den anderen aufrichtig zu lieben, fremdgeht, den anderen ablehnt und nur aus finanziellen oder logistischen Gründen zusammenlebt, verhindert den Aufbau der exklusiven Paar-Aura. Klingt logisch.

Fortune steht Polybeziehungen sehr krtitisch gegenüber. Sex findet ja nur teilweise auf körperlicher Ebene statt. Fehlt die spirituelle Ebene, weil ein Sich-Öffnen und Fallenlassen nicht stattfindet, fehlt zwangsläufig die beruhigende, beschützende Wirkung einer Paar-Aura. Fortune: »Diese Beziehungen mögen Stimulanz sein, Nahrung für die Seele sind sie nicht. Sie regen den Appetit an, stillen aber nicht den Hunger.«

Stichwort Beziehungsunfähigkeit

Saskia: »Bei einigen regionalen Treffen mit Poly-Gruppen hat mich die Arroganz mancher Polys sehr gestört. Die machten einen Kult aus ihrer Lebensweise. Sie hielten sich für eine Art Beziehungselite und bezeichneten klassische Paare als aussterbende Dinos und Spießer. Was soll diese Abwertung? Verstößt sie nicht gegen die Grundsätze von Toleranz und Respekt, die sich Polyamorie auf die Fahnen geschrieben hat?«

Gute Frage. Psychologen sehen in dieser Einstellung einen Versuch, Beziehungsunfähigkeit zu überspielen, vielleicht auch latenten Neid auf glückliche Zweisamkeit. An der Theorie könnte was dran sein: Immerhin bieten polyamore Beziehungen die Sicherheit, niemals eine vollständige Trennung mit allen schmerzhaften Konsequenzen er- und überleben zu müssen. Fällt ein Partner weg, ob nun durch Tod oder Trennung, wird man emotional aufgefangen. Die Liebe mit nur einem einzigen Menschen zu leben, bedeutet ja nicht nur Intimität und exklusives Glück, sondern auch ein emotionales Risiko, eine extreme Verwundbarkeit. Manche gehen aus Angst davor ihr ganzes Leben keine Zweierbeziehung ein, sondern »verteilen« das Risiko. Ist Polyamorie also eine ideale Beziehungsform für Menschen mit Bindungsangst?

Tja, und schon sind wir mittendrin im Definitionsgeschwurbel, was selbst optimistischen Menschen wie Saskia nicht nur den letzten Nerv, sondern auch die Lust auf Sex raubte.

Einzig verlässliches Kriterium: Wie fühlt es sich an?

Polyamorie gilt seit ca. 1990 als hippe Alternative zur Zweierbeziehungen. Wer sich für dieses Beziehungsmodell interessiert, sollte sich ehrlich einige Fragen beantworten: Bin ich bereit, meinem geliebten Partner die selben Freiheiten einzuräumen, die ich beanspruche? Sollen meine Kinder mehrere Eltern-Bezugspersonen haben? Kann ich mit den Vorurteilen von Kollegen, Bekannten oder Geschäftspartnern leben? Ist es meine ureigene Überzeugung, polyamor zu leben? Wie souverän ist meine Konfliktfähigkeit? Verfüge ich über genügend Selbstschutz, um mich gegen Eifersucht und Schuldzuweisungen abzugrenzen?

Menschen, die Bauchschmerzen bekommen bei diesen Fragen, verstoßen eventuell gegen ihre Werte und Charakterzüge, wenn sie sich auf eine polyamore Lebensweise einlassen. Tun sie es dennoch, z.B. einem Partner zuliebe, kann das Selbstwertgefühl Schaden nehmen. Wer sich selbst als polyamor definiert, empfindet und das Gefühl hat, in einer monogamen Zweierbeziehung einzugehen, der findet in einem polyamoren Netzwerk möglicherweise eine ideale Beziehungsform.

Saskia: »Dass ich polyamor bin, weiß ich jetzt. Aber in so eine WG würde ich nie wieder ziehen, ich brauche meine Privatsphäre. Meinem Partner habe ich von Anfang an reinen Wein eingeschenkt. Er liebt mich so, wie ich bin. Sollte ich mich in einen anderen verlieben, werden wir gemeinsam besprechen, ob und wie wir das leben können. Heimliche Parallelbeziehungen kommen für uns nicht in Frage, dazu lieben wir uns viel zu sehr.«

Wie sieht der typische Poly-Lebensstil aus?

Es gibt keinen. Poly-Partnerschaften können aus spiritueller oder religiöser Überzeugung gelebt werden, als Selbstfindungsweg oder Anti-Establishment-Modell in Künstlerkreisen ebenso wie in gutbürgerlichen Kreisen, in hetero-, homo- und bisexuellen Beziehungen, als Wohngemeinschaft, Familie oder Singlehaushalt. Allen Modellen gemeinsam ist, dass es um Liebe geht. Polyamorie ist eine Möglichkeit, intensive Liebesbeziehungen mit mehreren Partnern offen zu leben. Vertrauensvoll, integer und vor allem: absolut ehrlich. Langzeitstudien über Dauer und Tragfähigkeit dieser Beziehungen stehen noch aus, Patentrezepte gibt es ebensowenig wie bei klassischen Zweierbeziehungen. Um Tilda Swintons Lebensgefährten John Byrne zu zitieren: »There is so much love here. I wish I could explain it!«

Dieser Artikel hat 4 Seiten. Lesen Sie auch . . .

Seite 1: Polyamorie: Wenn das Herz für mehrere große Lieben schlägt
Seite 2: Polyamorie vs. Monogamie

Monogamie ein selbst auferlegter Zwang?
monogam leben
Ist denn der Mensch wirklich geschaffen, ein Leben lang monogam mit einem Partner zusammenzuleben? Belügen wir nicht den anderen und uns selbst, wenn wir vorgeben, nur mit einem Menschen bis in die Ewigkeit zusammenbleiben zu wollen? Artikel lesen
Die Ehe - Seitensprung der Geschichte
Erotische Abenteuer im Internet erleben
Damals wie heute hat die Ehe in jedem Fall einen grundsätzlichen Zweck: Stabilität in eine Beziehung zu bringen. Was aber macht eine »gute« Ehe heute aus? Oder ist die Institution Ehe in unseren Zeiten sowieso überholt? Artikel lesen
Kommentare
Sie dürfen die vorhandenen Kommentare nicht lesen. Bitte LOGGEN Sie sich ein oder REGISTRIEREN Sie sich kostenlos.

Christina || 06.08.2011 00:20:35

Ich war verheiratet,und wenn es nicht der richtige ist,bringt auch die beste intutition:EHE nichts.
Ich persönlich glaube,dass Männer,das Lieben was sie nicht haben.Für jeden Mann ist es, ein Schlaraffenland im Sommer,den strammen Beinen und aufreitzende junge Frauen zu sehen.Stellt Euch mal vor,wir alle Frauen würden,nicht mehr Funktionieren,alles stehn und liegen lasen,und das leben beginnen nach eigenen Bedürfnissen,Frei sein,unabhängigsein,selbstbestimmtes leben,an statt die Tradition fort zu führen,nach der Schule heiraten und Kinder gebären,Haushalt Mann.
Es wurden Jahrzehnte lang Frauen benutzt und Ausgebeutet,und wie immer gehts ums Geld.Ich glaube das es den Richtgen Partner gib.Ich denke das es aber auch Menschen gibt,die einfach nur Egoistisch sind,und mehrere Personen für sich selbst in anspruch nimmt.Jeder sollte so leben ,das Glücklichsein,möglich ist,und sich nicht selbstzerstört.Und vor alledingen,das man durch sein Lebensstill,niemanden mit Gefühlen Spielt und verletzt.Wir sind nicht auf der Autobahn des lebens,und Angsthaben etwas zu verpassen ,braucht Frau,-mann auch nicht.Durch die Ehe ist man kein Individeum mehr,oder anderst gesagt,fag mal welcher Mann,den Namen von seiner Frau annehmen will?!Traditionen und Gesellschaftliche Normen bleiben,was auch bleibt,Auswandern in Großstädten.
Die Anonymität,gibt solchen Menschen,die Poligamleben wollen,schutz vor Angriffe.Jeder sollte das Recht haben so zu leben wie er will.Doch bitte 1.Sever Sex,2.schafft es 3 Wochen ganz allein daheim,eine Übung.Keine Freunde,kein Shopen,lies ein Buch :Wie kann ich mich
selbst liebhaben und mir selbst gut tun? Wenn Du dich nicht selbst liebst,wird die Poligamie zum Rattenrennen,Energysucker.

kommentieren


Benachrichtige mich über weitere Kommentare. E-Mail-Adresse:
Seitensprung Agenturen im Vergleich
mehr zum Thema