Warum wir an Schicksal glauben, wenn wir an Liebe denken

Mein Partner – mein Schicksal?

Sie lernen sich kennen, sie lernen sich lieben, alles passt, Ende gut. Wenn zwei Menschen zueinander finden und eine glückliche Beziehung hinbekommen, dann machen wir dafür gerne magische Himmelsmächte verantwortlich. Da hat der Blitz eingeschlagen, die beiden sind füreinander bestimmt, diese Liebe ist einfach Schicksal – sofort sind wir mit Pauschalurteilen solcher Art dabei.

Wenn eine Beziehung dagegen schwere Krisen durchlebt, oder sogar mit Pauken und Trompeten in die Brüche geht, dann meint es das Schicksal gar nicht gut mit uns. Dann wird nach einem Grund für das Scheitern der Liebe gesucht. Am liebsten findet man irgendetwas oder noch besser irgendjemanden, der verantwortlich dafür ist, dass diese Partnerschaft nicht funktioniert.

Im Zweifelsfall halten wir es schlichtweg für Pech, für Unglück in der Liebe, für böses Schicksal, dass wir an einen Partner geraten sind, mit dem uns das Liebesglück verwehrt bleibt.

Die Themen dieses Beitrags:

Warum wir an Schicksal glauben, wenn wir an Liebe denken

Liebe und Schicksal gehören für viele Menschen untrennbar zusammen. Und warum? Weil es einfacher ist, an Vorherbestimmung zu glauben, als an die eigenen Möglichkeiten in der Liebe. Die ist und bleibt nämlich rätselhaft, unergründlich und damit unkontrollierbar. Einfach ist es auch, dass wir uns je nach dem gute oder böse Schicksal berufen, weil wir uns damit freisprechen von einer Mitverantwortung. Es kann ja wohl keiner etwas dafür, wenn es die Liebesmächte nicht gut mit ihm oder ihr meinen.

So verständlich diese Haltung doch ist, so sehr blockiert sie uns auch. Denn wo wir an pures Zufallsglück glauben, stehen wir machtlos dem uns zugeteilten Pech gegenüber: Was können wir Menschenwesen schon ausrichten gegen so etwas unfassbar Machtvolles wie das Schicksal?

Liebe ist kein Schicksal – und das ist gut so

Hermann Meyer hält diese Einstellung für falsch. Weil sie uns davon abhält, wirkliches Glück in einer Liebesbeziehung zu finden. Als Schicksals- und Partnerschaftsforscher befasst er sich mit genau dieser Frage: Wer ist verantwortlich dafür, wenn eine Beziehung nicht funktioniert? Das Schicksal ist es ganz gewiss nicht, meint der Pionier einer ganzheitlichen Psychologe. Wir selbst sind es, die den Grad der Harmonie oder Dissonanz innerhalb unserer Partnerschaft bestimmen. Wir selbst suchen einen Partner – und wählen ihn für uns aus. Das hat Gründe.

Es gibt keinen geflügelten Amor, der sein Pfeilchen nach Gutdünken aus dem Köcher zieht, es gibt keine höhere Macht, die uns in Sachen Liebe steuert wie Marionetten im Puppentheater. Bei der Liebe, schreibt Meyer in seinem Buch »Jeder bekommt den Partner, den er verdient«, sei das Leben kein Glückspiel und keine Lotterie. Es folge vielmehr bestimmten Gesetzmäßigkeiten.

  • Es gibt Grundregeln für eine Partnerschaft, die wir kennen und beachten sollten.
  • Wir müssen unsere bewussten und unbewussten Bedürfnisse wahrnehmen, begreifen, was sie überlagert, wo sie verdrängt werden und wie wir ihnen zur Entfaltung verhelfen können.
  • Das geht nicht von selbst, wir müssen uns darum bemühen – und dabei vor allem die verborgenen Mechanismen beleuchten, die unsere Partnerwahl beeinflussen.

Bewusst gewählt oder unbewusst gesucht?

Um zu verstehen, warum Liebesglück nicht Schicksal ist, müssen wir erst einmal verstehen, warum wir uns einen bestimmten Partner aussuchen. Auch wenn wir oft eine ziemlich konkrete Vorstellung vom Traumpartner haben, hat unser Verstand eigentlich wenig zu sagen. Die meisten Menschen sind sich nicht darüber klar, wie sehr sie von ihrem Unterbewusstsein geleitet werden.

Für die Partnerwahl sind laut Meyer nämlich meist ganz andere Gründe entscheidend, als die im Bewussten vorgegebenen Motive von Liebe und Zuneigung. Unser Unterbewusstes spielt beim Verlieben etwa eine ganz entscheidende Rolle. Zu beinah 95 Prozent beeinflusst es unser Fühlen, Denken und Handeln, ohne dass wir uns darüber im Klaren sind, sagt Meyer.

Was wir bewusst wollen und suchen, entspricht meist dem, was unsere Erziehung, die Gesellschaft, die Norm und andere Kontrollinstanzen uns vorgeben. Unbewusst schlummern in uns aber die wahren Bedürfnisse und die echten Wünsche. Beides kann sehr weit voneinander abweichen – ich kann mir einen verantwortungsbewussten und fürsorglichen Partner als Ideal vorstellen, richtig attraktiv finde ich aber einen lockeren Lebemann.

Meyer bezeichnet das als unsere zwei Naturen. Im besten Fall schaffen wir es, diese zwei Naturen – also bewusste Vorstellungen und unbewusste Wünsche – zu vereinen und vor allem den echten Teil unseres Selbst zur Entfaltung zu bringen. Klappt das nicht, wird jemand zu sehr von der zweiten, also der unwahren Natur geleitet, dann werden seine eigentlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse durch Ersatzfähigkeiten und -gefühle überlagert.

Laut Meyer ist das eine Erklärung dafür, warum eine wirklich gut funktionierende Beziehung so selten ist: Erst wenn Partner die Zusammenhänge zwischen dem, was beide in ihrer wahren Natur mitbringen und dem, was unecht ist, erkennen, könnten sie Ersatzfähigkeiten in reale wertvolle Fähigkeiten verwandeln und so ihre Beziehung glücklicher gestalten.

Mein Partner – das Phantom

Viele Menschen sind nun aufgrund ihrer Prägung und Gefühlslage bei der Partnersuche auf ein ganz bestimmtes Bild fixiert. Der Wunschmensch soll zwar in vielen Bereichen die gleichen Interessen und Ansichten haben. Aber dort, wo wir einen Mangel bei uns sehen, uns etwas fehlt, soll der Partner ausgleichen. Das Liebesgegenüber muss dabei einen hohen Anspruch erfüllen: Es soll unsere Defizite wettmachen, behauptet Meyer. Einerseits bestehe die Tendenz, dass man sich im Partner reproduzieren will, sagt er. Auf der anderen Seite hat der Partner auch die Aufgabe, vorhandene Mängel auszugleichen.

Was dabei herauskommt ist laut Meyer, dass viele Menschen an einem falschen Vorstellungsbild festhalten und die meisten Partnerschaftsprobleme nicht mit dem real existierenden Partner entstehen, sondern mit dem Phantompartner: Das ist die Summe aller Vorstellungsbilder, die man aufgrund der eigenen Defizite entwickelt hat.

Was für Paarkonstellationen sich daraus ergeben, liegt auf der Hand. Oft suchen wir im anderen das, was wir selber nicht haben.

  • Man selbst hat ein Defizit an eigener Identität, ist unsicher. Der Partner soll Geborgenheit geben, Sicherheit vermitteln.
  • Man selbst ist wenig ehrgeizig. Der Partner soll Karriere machen.
  • Man selbst ist sehr abhängig und nicht einfallsreich bei der Freizeitgestaltung. Der Partner soll immer da sein

Was Ihr Partner über Sie aussagt

Ihr Partner nimmt also eine bestimmte Funktion für Ihr Selbst ein. Er gleicht es aus, ergänzt es, realisiert verdrängte Elemente stellvertretend oder stabilisiert Sie. Nur ein ganz bestimmter Partner sei dazu geeignet, einem Verdrängtes, Unbewusstes und Unerlöstes bewusst zu machen, schreibt Meyer. Über ihn müssen wir spezifische Lernprozesse absolvieren, die für uns wichtig sind und die uns in der Persönlichkeitsentwicklung weiterbringen.

Denn unser Unbewusstes gibt letzlich vor, was wir gut und attraktiv finden. Nicht immer ist das auch das, was unser Bewusstsein will. Die Tatsache, dass den meisten von uns nicht klar ist, warum sie sich in einen bestimmten Menschen verlieben, auch wenn der allem Anschein nach gar nicht gut für sie ist, vielleicht viele störende Angewohnheiten hat, charakterlich nicht passt oder mit dem die Beziehung schwierig ist, führt zu einer gewaltigen Enttäuschung. Weil der Mensch, den man vermeintlich bewusst als Liebesobjekt auserkoren hat, dann doch nicht die Glücksverheißung ist.

Genau dies sei der Mechnismus, der bei der Partnerwahl zum Tragen käme: Unbewusst suchen wir uns den Partner, der uns hilft, ungelöste Konflikte zu lösen. Laut Meyer folgt daraus: Je pervertierter, irrealer oder fanatischer der Partner etwas auslebt, desto mehr fehlt mir dieses Prinzip in der realen Form.

  • Wenn Sie also zum Beispiel einen cholerischen Partner haben, sind Sie vielleicht extrem ruhig und können nicht aus sich herausgehen.
  • Ist Ihr Partner ein Genießer, verprasst er Geld für Luxusartikel und hat kein schlechtes Gewissen dabei, dann sind Sie vielleicht eher knauserig, gönnen sich selten etwas außer der Reihe und fühlen sich schuldig, wenn Sie mal zugeschlagen haben.

Oft verbinden sich einige unbewusste Tendenzen im Partner – der als Gegenstück die Chance bietet, Ungelöstes zu lösen. Meyer definiert vier Partnertypen, die eine bestimmte Funktion für uns selbst haben können:

  • Der Ähnlichkeitspartner – »In Dir liebe ich mich«: Ihr Partner denkt, fühlt und handelt auf mehreren Lebensgebieten ähnlich wie Sie, was ihn anziehend macht. Harmonie ist quasi vorprogrammiert, Reibungsfläche kaum gegeben. Aber auch weniger Entwicklungspotenzial.
  • Der Ausgleichspartner – »Ich liebe den, der mich ausgleicht«: Der Partner gleicht einen eigenen Mangel oder ein Persönlichkeitsdefizit aus. Schlecht ist, wenn einer durch Überkompensation einen Mangel wettzumachen versucht – etwa, wenn ein Vielredner einen Sprechgehemmten völlig blockiert.
  • Der Ergänzungspartner – »Ich liebe den, der mich ergänzt«: Ihr Partner hat eine Fähigkeit, die Sie nicht haben – und ergänzt Sie damit. Das war Basis der früheren Rollenverteilung: Der Mann verdiente das Geld, die Frau sorgte für Haus und Kinder. So kommen sich beide nicht in die Quere, jeder hat sein klar abgestecktes Revier.
  • Der Austauschpartner – »Ich liebe den, mit dem ich mich austauschen kann«: Der Partner hat Fähigkeiten in denselben Bereichen wie Sie, es findet ein Austausch statt. Positiv ist das, wenn sich beide in ihren Bereichen ebenbürtig sind. Schwierig wird es, wenn einer den anderen übertrumpft, und so kein gleichwertiger Austausch möglich ist.

Fazit: Den richtigen Partner gibt es nicht. Den falschen auch nicht.

Viele Menschen suchen ihr Leben lang nach Mr. oder Mrs. Right – dem Partner, den sie für perfekt halten. Das Fatale daran ist, dass es diese Person nicht existiert. Zumindest nicht so, wie wir uns diesen Wunschmenschen in unseren Träumen ausmalen.

Hermann Meyer geht sogar soweit zu behaupten, es gebe gar keinen objektiv richtigen Partner, mit dem uns eine harmonische Beziehung garantiert ist. Das bedeutet ihm zufolge aber im Umkehrschluss, dass es auch keinen falschen Partner geben kann. Denn es hat immer einen Sinn, dass wir mit einer Person zusammenkommen. Klappt es in der Partnerschaft nicht, dann hat auch das etwas zu bedeuten. Vielleicht müssen wir noch einen ungelösten Konflikt bearbeiten, sollen lernen, ungelebte Anteile in uns wahrzunehmen und endlich zum Vorschein kommen zu lassen, müssen Dinge aus unserer Vergangenheit aufarbeiten.

Ganz wichtig ist es, zunächst zu erkennen, warum wir diesen Partner haben. Die wenigsten Menschen taumeln völlig blind in eine feste Beziehung, auch wenn es bisweilen den Anschein haben mag. Immer liegt eine Absicht, ein Zweck, ein Sinn dahinter – wir können das nur nicht immer auf den ersten Blick wahrnehmen, weil unser Unterbewusstsein sich hier unbemerkt durchsetzt.

Wer begreift, welche unbewussten Strategien die eigene Partnerwahl dominieren, kann einen anderen Blick auf den aktuellen Partner oder vergangene Beziehungen werfen und erkennen, welche Aufgaben damit verbunden sind.

Hilfreich kann sein, sich dazu diese Fragen zu stellen:

  • Was zieht mich bei meinem Partner oder bei potenziellen Partnern besonders an?
  • Wie viel von diesen attraktiven Eigenschaften besitze ich selbst?
  • Was stößt mich bei meinem Partner oder bei potenziellen Partnern besonders ab?
  • Welche diese mir unangenehmen Eigenschaften unterdrücke ich bei mir selbst?

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