Auch im aufgeklärten Hier und Jetzt scheint notorisches Fremdgehen ein Männerthema zu sein. Laut der einer Studie des Göttinger Psychologen Ragnar Beer mit mehreren Tausend Teilnehmern betrügen 22 Prozent aller Männer ihre Partnerin während einer Beziehung häufiger als 3 Mal, während dies nur 15 Prozent der Frauen tun. Kann man bei dreimaligem Ausbrechen schon von notorischem Fremdgehen sprechen? Was steckt hinter dem unwiderstehlichen Drang, heimliche Parallelbeziehungen zu führen? Und lässt sich ständiges Seitenspringen wirklich mit Sexsucht erklären?
»Liebling, ich kann einfach nicht anders«
Mitnehmen was geht. Jagdinstinkt. Trophäensammlung. Sexsucht. Es gibt allerlei Bezeichnungen für notorisches Fremdgehen, jedoch versteht darunter nicht jeder das selbe. Deshalb an dieser Stelle eine kurze Erklärung. Mit notorischem Fremdgehen ist kein wilder Lebensstil mit offenen Parallel-Beziehungen und häufig wechselnden Sexualpartnerinnen gemeint. Sondern es bezeichnet mehrere Seitensprünge und heimliche Affairen neben einer langjährigen Basisbeziehung, für die ursprünglich Monogamie vereinbart wurde. Wäre das nicht der Fall, könnte man nicht von Fremdgehen sprechen, weil die sexuellen Außenkontakte ja mit Wissen und Einverständnis des Partners stattfinden.Weil wir gerade beim Faktensammeln sind: Frauen gehen etwas häufiger fremd als Männer! Laut der Göttinger Studie hatten 55 Prozent der befragten Frauen und 49 Prozent der Männer in ihrer aktuell bestehenden Beziehung schon einen Seitensprung. Einen auffallenden geschlechtsspezifischen Unterschied gibt es allerdings: Frauen sind eher Einmal-Seitenspringer, während Männer zu den Wiederholungstätern gehören, also mehrmals hintereinander die selbe Partnerin betrügen. Meist trotz Aussprache, Reue und dem Versprechen, dass es nicht wieder vorkäme. Also doch eine Art Verhaltenssucht?
Ist Sexsucht ein Grund für’s notorische Fremdgehen?
Derzeit gilt es schon fast als schick, einen zügellosen Lebensstil als Sexsucht zu bezeichnen und ihn dadurch in den schulmedizinischen Bereich zwischen Drogen-, Kauf- und Spielsucht zu rücken. Motto: »Ich bin krank und kann nicht anders.« Was im Einzelfall durchaus zutreffen kann, hat sich leider zum Trend entwickelt. Ob Jesse James, Ron Wood, Michael Douglas, Bill Murray, David Duchovny oder Tiger Woods: Sexsüchtig ist ein Attribut, das Medienpräsenz garantiert. Gefolgt werden diese Outings gerne davon, sich vor laufenden Kameras in einer Spezialklinik anzumelden, danach einige Zeit abzutauchen und sich nach medikamentengestützter Therapie als geläutert und beziehungsfähig zu bezeichnen.Was aussieht wie ein löblicher Weg zur Besserung, ist in Wirklichkeit eine Flucht vor dem eigentlichen Problem. Im Fokus liegen nur die Symptome, nämlich der übersteigerte Sextrieb und die offenkundige Bedürfnis nach Bestätigung. Die zugrunde liegende Ursache bleibt dabei leider unberührt. Diese ist längst nicht so gazettentauglich wie die schlüpfrigen Skandälchen um heimliche Sextreffen. Doch wer das Thema wirklich verstehen will, sollte sich davon abwenden und sich statt dessen einen langen Blick auf die Anfänge der eigenen Biografie gönnen.
Dieser Artikel hat 4 Seiten. Lesen Sie auch . . .Seite 1: Notorisches Fremdgehen als Lebenskonzept?
Seite 2: Die Schlüssel zum Fremdgehen liegt bereits in der Kindheit
Seite 3: Warum bleiben notorische Fremdgänger nicht einfach Single?
Seite 4: Sind Sie mit einem notorischen Fremdgänger zusammen?















