SF: Maren, wie war das für dich, als du von Timos Seitensprung erfahren hast?
Maren: Es war, als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen. Vor allem, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte! Fremdgehen, Betrügen – so etwas gibt es in unserer Beziehung nicht, hatte ich immer gedacht. Nach 8 Jahren Beziehung stand ich plötzlich vor einem Trümmerhaufen.SF: Timo, was waren die näheren Umstände? Warum bist du fremdgegangen?
Timo: Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mir selbst über die Gründe klargeworden bin. Es war der Klassiker: Ich hatte viel Stress im Job und wollte Maren auch nicht ständig mit den Firmeninterna belasten. Ich war extrem unzufrieden, weil mein Einsatz in der Firma nicht so honoriert wurde, wie ich mir das vorstellte, und mir zudem ein Mitarbeiter ständig Steine in den Weg legte. In dieser Situation hat es mir unheimlich geholfen, dass Lena da war, eine Kollegin. Sie hatte viel Verständnis und unterstützte mich, wenn es im Job Ärger gab. Irgendwann passierte es: Wir hatten nach Büroschluss noch gequatscht, etwas getrunken – und landeten bei ihr zu Hause … So ging das dann über ein paar Wochen.Maren: Eines Tages habe ich einen anonymen Hinweis bekommen, dass mich mein Mann betrügt. Wir vermuten, dass es Timos eifersüchtiger Kollege war. Aber das ist ja auch egal. Jedenfalls: Ich stellte ihn zur Rede, und Timo rückte langsam mit der Sprache heraus. Ich hätte ihn in dieser Situation am liebsten sofort rausgeschmissen. Aber irgendwie war ich so schockiert, dass ich nur zu meiner Freundin geflüchtet bin und mich dort ausgeheult habe.
SF: Wie lange hat bei euch diese erste Phase gedauert? Und wie ging es weiter?
Timo: Klar, dass in den ersten Tagen die Fetzen geflogen sind. Für mich war absolut sicher, dass ich die Beziehung retten will und ich verfluchte mich schon für den Seitensprung. Es war ja keine Liebe im Spiel … und ich wollte Maren auf keinen Fall verlieren.Maren: Das Vertrauen ist natürlich mit einem Mal futsch. Man macht sich dann ja auch selbst Vorwürfe. Wie konnte ich nur so doof sein, und das nicht eher bemerken? Was hat sie, das ich nicht habe? Warum tut er mir das an? Ich hab ihn mit Fragen bombardiert, ohne eigentlich schon wirklich bereit für Antworten zu sein. Das kam erst ganz langsam wieder, diese Fähigkeit, das Ganze auch mit etwas Distanz zu betrachten und zu analysieren.
SF: Timo, was hast du unternommen, um die Beziehung zu retten?
Timo: (lacht) Ach, am Anfang waren es diese typisch männlichen, peinlichen Versuche mit Blumen und Schmuck meine Zuneigung zu zeigen. Ich hab erst gar nicht kapiert, dass das Maren unverschämt vorkommen musste – als könnte man mit einem Strauß Rosen einen Seitensprung wiedergutmachen. Aber mit der Zeit sind wir uns dann wirklich durch Gespräche nähergekommen. Es war erschütternd und auf eine gewisse Art auch bewegend, mal richtig an die Substanz der Beziehung zu gehen und in die eigenen Abgründe zu blicken.Maren: So schwierig es war, mir haben diese Gespräche sehr geholfen. Auch wenn es weh tut, so richtig an die grundsätzlichen Probleme einer Beziehung ranzugehen, es ist wichtig. Ich habe daraus zum Beispiel gelernt, wie es zu dem Seitensprung kam und wie ich Timo in Zukunft mehr unterstützen kann. Ich habe früher schon sehr wenig Interesse für seinen Job aufgebracht …
Timo: Trotzdem, das rechtfertigt meine kurzfristige Affäre natürlich nicht. Aber wir sind jetzt auch darüber hinweg, uns gegenseitig Vorwürfe oder Schuldgefühle zu machen. Wir blicken nach vorne und setzen alles daran, dass es nicht mehr zu einer solchen Krise kommt.
SF: Gibt es konkrete Tipps, die ihr anderen Paaren in dieser Situation mit auf den Weg geben würdet?
Maren: Mein Tipp wäre auf jeden Fall: Redet miteinander. Als die Person, die betrogen wurde, handelt man am Anfang ja unüberlegt und steht ziemlich neben sich. Aber ich würde raten, dann trotzdem keine vorschnelle Entscheidung zu treffen. Vielleicht gibt es nämlich doch noch eine Chance für die Beziehung. Und in unserem Fall würde ich sagen: Es war zwar die eine harte Zeit, aber im Nachhinein ist unsere Beziehung gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Ich bin selbstbewusster geworden, weil ich weiß, ich kann so etwas durchstehen. Und langsam kommt auch das Vertrauen wieder – in Timos Treue und in meine eigenen Selbstheilungskräfte.Timo: Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen. Ansonsten würde ich natürlich raten, es erst gar nicht zum Seitensprung kommen zu lassen. Ich glaube, das kann man erreichen, wenn man aufkeimende Probleme in einer Beziehung frühzeitig angeht und nicht ewig unter der Decke hält. Denn Affären sind nun mal ein beliebtes Mittel, um sich abzulenken…
*Namen wurden von der Redation geändert
Dieser Artikel hat 4 Seiten. Lesen Sie auch . . .
Seite 1: Nach dem Seitensprung: So bauen Sie wieder Vertrauen auf
Seite 2: Vertrauen wiederfinden, wenn Sie der betrogene Partner sind
Seite 3: Vertrauen neu aufbauen, wenn Sie Ihren Partner betrogen haben
Seite 4: So haben wir den Seitensprung bewältigt: Maren und Timo berichten












