Ist das so? Sehnen sich Männer und Frauen, die aus einer festen Partnerschaft ausbrechen, nach mehr als rein körperlicher Lust auf fremde Haut? Ist eine solche Partnerschaft per se defizitär? Oder ist ein Seitensprung auch bei einer rundum glücklichen Partnerschaft möglich? Sind offene Beziehungen eine Möglichkeit, den klassischen Betrug und seine Folgen zu verhindern?
Monogamie ist eine Frage der Perspektive
Ob mit oder ohne Trauschein, die meisten Paare treffen für sich eine Vereinbarung, was sexuelle Treue angeht. Die klassische Monogamie ist eine Form, die nach wie vor am häufigsten vereinbart wird, vor allem bei verheirateten Paaren mit Kindern. Leider ist genau diese Konstellation aber auch die, in der am häufigsten heimlich betrogen wird. Solange die sexuelle Harmonie zwischen den Partnern stimmt, ist Monogamie nicht mit Verzichtsempfinden verbunden. Hält jedoch der Frust im Ehebett Einzug, z.B. weil bei frischgebackenen Eltern immer mehr häusliche Pflichten, Babypflege, Stress und Zeitmangel jede Romantik vertreiben, entsteht ein emotionales – nicht primär sexuelles – Defizit, und der Keim für einen Seitensprung ist gelegt. Kommt es dann zur schicksalhaften Außenbegegnung, und sind sexuelle Kontakte zu Dritten per Absprache ausgeschlossen, rückt die Begegnung automatisch in den Bereich der Heimlichkeit - der Betrug beginnt. Und zwar nicht allein der sexuelle.Nun leben wir in einer Zeit, in der klassische Familien- und Beziehungsstrukturen aufbrechen, weil sie sich als überholt entpuppen. Da die klassische Monogamie einige Fallstricke birgt, erfreut sich ein relativ junges Beziehungsmodell immer größerer Beliebtheit: die emotional monogame, sexuell offene Beziehung.
Seitensprung ohne Lügen: Wie offen sind offene Beziehungen?
Die Frage müsste eigentlich lauten: Wie verbindlich sind sie. Körperliche Nähe bedeutet nicht nur Sex. Sondern Intimität, Vertrauen, Zärtlichkeit. Wird diese tiefe, vertrauensvolle Intimität mit immer neuen Außenpartnern geteilt, verliert sie das Besondere, Verbindende in der Basis-Partnerschaft. Manche Paare entscheiden sich dennoch für dieses Modell.Diese Form der Partnerschaft gesteht beiden Beteiligten sexuelle Außenkontakte zu, die jedoch nach klaren Regeln abzulaufen haben. Keine emotionale Bindung, keine langfristigen Affairen, die eine Alternative zur Basis-Partnerschaft darstellen könnten. Im Gegenzug auch keine Eifersucht. Die Idee dahinter: Wenn Seitensprünge ohne Lügen und Betrug stattfinden können, bleibt die Loyalität zwischen den Partnern unangetastet, das Vertrauensverhältnis intakt.
Während manche Paare dieses Modell als Jungbrunnen für ihre Beziehung bezeichnen, vermuten Kritiker die Gefahr einer emotionalen Distanzierung. Die Kritik ist im Ansatz begründet, denn: Beim Sex werden nicht nur Körperflüssigkeiten ausgetauscht, sondern auch sogenannte Bindungshormone. Diese bewirken bei wiederholtem Kontakt eine emotionale Bindung an den Sex-Partner. Also genau das, was die Basis-Partnerschaft exklusiv macht - und das Konzept der emotionalen Monogamie aushebelt.
Seite 1: Lust auf fremde Haut – oder doch viel mehr?
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