Der Partnerschafts- und Schicksalsforscher Hermann Meyer im Interview

»Auch eine schlechte Partnerbeziehung ist ein Heilungsversuch der seelischen Natur, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen«

Ein Gespräch mit Hermann Meyer

Wenn es in der Liebe nicht nach unseren Wünschen läuft, empfinden wir das oft als Pech. Das entlastet uns vordergründig, dann können wir uns einreden, einfach den falschen Partner erwischt zu haben. Mit dem oder der »Richtigen« wird es dann automatisch besser, glauben wir. Ein Irrtum, meint Hermann Meyer. Wie gut unsere Beziehung (ver-)läuft, haben wir selbst in der Hand – wenn wir erkennen, welche Bedürfnisse wir wirklich haben und wie das Unbewusste unsere Partnerschaft beeinflusst.

Diese und andere Erkenntnisse können Sie in Hermann Meyers aktuellem Buch nachlesen: In Jeder hat die Beziehung, die er verdient geht es darum, wie Sie mit Ihrem oder einem Partner glücklich werden können, indem Sie zum bewussten Paar werden – nämlich zu einem starken Zweierteam.

Hermann Meyer, Jahrgang 1947, weiß, wovon er schreibt: Seit über 30 Jahren befasst sich der Partnerschafts- und Schicksalsforscher mit der Frage danach, wie es möglich ist, eine glückliche und langfristig tragfähige Partnerschaft zu führen.

Er meint, das A und O dabei sei, dass wir wissen, wie wir in Beziehungen funktionieren und welche Gesetzmäßigkeiten in der Liebe gelten. »Eigentlich müsste schon in der Schule das Fach „Partner und Beziehungsfähigkeit“ gelehrt werden. Da dieses Fach aber auf keinem Lehrplan steht, gilt es, sich das Know-how für eine Beziehung selbst anzueignen«, sagt der Leiter der Partnership Academy in Ottobrunn bei München. Das könne man entweder durch Versuch und Irrtum tun – also indem man gute und weniger gute Erfahrungen mit Liebesbeziehungen sammelt und daraus lernt –, oder indem man eine Abkürzung des Weges nehme, etwa durch den Beziehungsführerschein. Diesen kann man in der Partnership Academy erwerben: »Beim Crashkurs zum Beziehungsführerschein geht es darum, die eigenen Defizite, Konflikte und Fehler zu erkennen, die eine Beziehung gefährden, aber auch – und darauf liegt das Schwergewicht – wie man Freude, Glück und Leidenschaft erwirkt. Außerdem werden die Regeln und Mechanismen vermittelt, die in einer Partnerbeziehung zu beachten sind.«

Meyer, der auch als Experte für Astrologie eine Reihe spannender Buch zum Thema Lebensglück verfasst hat, hat es sich als Leiter der Partnership-Academy zur Aufgabe gemacht, interessierten Menschen aufzuzeigen, wie Partnerschaft gelingt. Es gehe darum, zu erkennen, was man selbst tun könne, um eine Beziehung erfolgreich führen zu können und seinen Partner und sich selbst glücklich zu machen.

Wollen wir das nicht alle? Anscheinend schon, allerdings tun viele Menschen erst dann etwas für das Gelingen einer Partnerschaft, wenn Probleme auftauchen, sagt Meyer: »Zu mir kommen Menschen aus allen Altersgruppen, aber insbesondere Menschen, die sich in einer Krise befinden, die einem neuen Misslingen einer Beziehung vorbeugen möchten, oder die sich das notwendige Rüstzeug aneignen wollen, um eine Beziehung erfolgreich zu gestalten.«

Sind gute Beziehungen vorherbestimmt, wie können und müssen wir sie uns verdienen und sind Affären womöglich eine Quittung des Schicksals? Wir haben mit Hermann Meyer darüber gesprochen.

Interview geführt am 07.01.2016

Seitensprung-Fibel.de: Lieber Herr Meyer, Sie sind Partnerschafts- und Schicksalsforscher. Glauben Sie bei der Liebe eigentlich an Schicksal?

Hermann Meyer: Schicksal ist primär das, was man sich selbst unbewusst schickt. Das lateinische Wort salus = das Heil macht deutlich, dass es sich um geschicktes Heil handelt. Auch eine schlechte Partnerbeziehung ist daher ein Heilungsversuch der seelischen Natur, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Seitensprung-Fibel.de: Ihr neues Buch heißt »Jeder hat die Beziehung, die er verdient«. Sofort könnte einem dazu einfallen: Wenn meine Partnerschaft nicht funktioniert, dann hab ich es eben nicht anders verdient – ist das so?

Hermann Meyer: Man hat das verdient – aber nicht im herkömmlichen Sinne einer Verfehlung oder gar Schuld, sondern aufgrund von unbewusster Prägung und aufgrund von Unwissenheit.

Seitensprung-Fibel.de: Sie schreiben, eine gute Partnerschaft könne von jedem verdient werden. Was muss bzw. was kann jeder Einzelne dafür tun?

Hermann Meyer: Oberste Priorität hat hier der Orakelspruch von Delphi: »Erkenne dich selbst«. Wer seine eigenen Licht- und Schattenseiten erkennt, kann auch seinen Partner besser wahrnehmen und ihm gegenüber toleranter sein. Wenn jemand dann auch noch bereit ist, an sich zu arbeiten und verschiedene Fähigkeiten auszubilden, die für das Gelingen einer Beziehung wichtig sind, hat er alle Voraussetzungen für partnerschaftliches Glück erfüllt. Z.B. wäre es schön, wenn er schließlich folgende Fähigkeiten zur Verfügung hätte: Kommunikationsfähigkeit, Fähigkeit, Tage schön und genussvoll zu gestalten, Fähigkeit, Zärtlichkeit zu geben und zu empfangen, erotische und sexuelle Fähigkeiten, geistige Fähigkeiten…

»Viele sind für eine herkömmliche Beziehung nicht geschaffen, aber sie sind deswegen noch lange nicht beziehungsunfähig.«

Seitensprung-Fibel.de: Die meisten Menschen wünschen sich ja eine glückliche, befriedigende, dauerhafte Liebesbeziehung. Warum schaffen es so viele nicht, diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen?

Hermann Meyer: Weil die meisten Menschen sich nach Normen und Idealen ausrichten und nicht nach der Individualität der beiden Partner. Viele sind für eine herkömmliche Beziehung nicht geschaffen, aber sie sind deswegen noch lange nicht beziehungsunfähig. Hinzu kommt, dass man aufgrund von eigenen Defiziten zu viele Ansprüche und Erwartungshaltungen an den Partner hat, die dieser nicht so ohne Weiteres erfüllen kann.

Seitensprung-Fibel.de: Irgendwann kommt schon der Richtige – Millionen Menschen würden auf den einen Menschen warten, der ihrem Idealbild eines Partners entspricht, schreiben Sie. Was ist daran so schlecht?

Hermann Meyer: Es ist ungünstig für das partnerschaftliche Glück in unserer Gesellschaft schlechthin, weil aufgrund des Idealbildes eines Partners viele potentielle Partner nicht in Frage kommen. Dadurch wird das Zirkulieren der Energien in Begegnung und Partnerschaft weitgehend blockiert. Die Folge ist, dass derjenige, der das Idealbild in sich beherbergt, einsam bleibt und seine potentiellen Partner ebenso. Oder, falls man sich doch auf einen sogenannten Kompromisspartner einlässt, wird dieser ständig kritisiert und gemaßregelt, weil er dem Idealbild nicht entspricht.

Seitensprung-Fibel.de: Sie sagen einerseits, der richtige Partner sei eine Illusion. Andererseits schreiben Sie, nur ein ganz bestimmter Partner sei dazu geeignet, einem Verdrängtes, Unbewusstes und Unerlöstes bewusst zu machen. Gibt es demnach nicht doch »richtige« und »falsche« Partner für einen Menschen?

Hermann Meyer: Richtig ist der »falsche« Partner insofern, weil durch ihn Unbewusstes und Verdrängtes bewusst wird. So gesehen ist also jeder Partner der »Richtige«, aber eben meist leider nicht so, wie man ihn sich bewusst gewünscht hat.

Seitensprung-Fibel.de: Mal ganz bös gefragt: Wenn mein Partner fremdgeht, habe ich das dann auch verdient? Und wenn ja: Warum?

Hermann Meyer: Seitensprünge des Partners werden unbewusst erwirkt, weil man zu wenig innerhalb der Beziehung für Abwechslung gesorgt hat, weil man bestimmte Bedürfnisse des Partners nicht stillen konnte oder weil ein Nähe-Distanz-Konflikt vorherrscht.

So kann es sein, dass man den Pol Distanz oder eigene Seitensprungtendenzen auf den Partner projiziert. Dadurch kann man selbst moralisch sauber und anständig erscheinen.

Seitensprung-Fibel.de: Glauben Sie, dass auch eine Affäre dazu beitragen kann, Unbewusstes in einer Beziehung ans Tageslicht zu bringen?

Hermann Meyer: Ja, eine Affäre kann einen Gesundungsprozess in der Beziehung einleiten. Allerdings ist dazu erforderlich, dass beide Partner bereit sind, daraus zu lernen. Manchmal wirkt auch eine Affäre für die bestehende Beziehung sogar stabilisierend.

Seitensprung-Fibel.de: Gibt es für Sie Beziehungs-Situationen, in denen Sie sagen, dass ein Seitensprung einer Partnerschaft auch gut tun kann? Und warum?

Hermann Meyer: Wenn eine Beziehung stagniert oder nur noch rituell durchgeführt wird, kann ein Seitensprung ein Weckruf sein.

Seitensprung-Fibel.de: Wenn Sie Paaren zu Beginn ihrer Partnerschaft drei wertvolle Ratschläge für ihren Beziehungsweg mitgeben könnten, um einen Seitensprung zu verhindern, welche wären das und warum?

  • Sorgen Sie für mehr Abwechslung in der Beziehung
  • Bilden Sie Anlagen und Fähigkeiten aus, von denen auch Ihr Partner profitieren kann.
  • Wenden Sie das Geheimrezept für eine gelingende Beziehung an: Jeder der beiden Partner trägt dafür Sorge, dass es ihm selbst und dem Partner gut geht. Wenn also immer gleich 2 Menschen dafür sorgen, dass es einem gut geht, muss es einem doch gut gehen.

Liebe Herr Hermann Meyer, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch!

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