Christian Thiel im Interview

»Wie soll der andere denn wissen, was wir brauchen, wenn wir es ihm nicht ganz klar sagen?«

Interview mit Single-Coach und Autor Christian Thiel

Gute Nachricht für alle, die ihren Partner gerne ein bisschen anders haben möchten: In seinem neuen Buch zeigt Singleberater Christian Thiel, wie Sie durch Veränderungen Ihre Beziehung positiv gestalten.

Du musst Deinen Partner so nehmen, wie er ist? Auf gar keinen Fall, meint Christian Thiel. Du musst Deinen Partner so verändern, dass Deine Bedürfnisse erfüllt werden, sollte es besser heißen. Der Berliner Single-Coach und Autor zahlreicher Sachbücher weiß, wo es bei vielen Paaren hapert: Sie nörgeln aneinander herum, reden ihre Beziehung kaputt und lassen sie laufen, weil sie glauben, nichts verändern zu können.

Dabei geht genau das. Wer positiv an die Sache herangeht, einige Regeln beherzigt und weiß, was er will, kann dafür sorgen, dass der Partner sich verändert. Damit erreicht er, dass seine eigenen Bedürfnisse befriedigt werden und die Beziehung insgesamt glücklicher ist. Zu schön, um wahr zu sein? Keineswegs. Eher zu simpel, als uns bewusst zu sein. Christian Thiel erklärt in »Liebe ist, den Partner nicht so zu nehmen wie er ist« wie Veränderungen in Beziehungen funktionieren können.

Wir haben den Autor gefragt, warum wir unseren Partner ändern müssen, wie das geht und wo es Grenzen gibt.

Interview geführt am 24.06.2016

Die Seitensprung-Fibel: Lieber Herr Thiel, Ihr Buch macht richtig gute Laune. Sie schreiben darin, wer in seiner Beziehung unglücklich ist, der kann etwas dagegen unternehmen – nämlich seinen Partner ändern! Tolle Entlastung, das klingt ja viel besser als: Du musst Dich selbst ändern. Ist es so einfach?

Christian Thiel: Eine Partnerschaft zu führen könnte viel einfacher sein, wenn uns klar wäre, wie viel Einfluss wir auf den Partner haben – wenn wir es denn nicht mit Nörgeln und Kritik am anderen versuchen, sondern mit positiven Strategien. Viele Menschen kennen die nicht einmal. Das ist traurig. Denn es macht uns unzufrieden.

Die Seitensprung-Fibel: Mit der Ansicht, dass man seinen Partner ändern kann, stehen Sie nicht alleine da. Sie gehen aber einen Schritt weiter, indem Sie behaupten, man müsse es sogar tun. Warum das denn?

Christian Thiel: Weil kein Partner optimal zu uns passt. Mit jedem bekommen wir einige Probleme und wir kommen auch mit jedem in die Lage, dass er uns nicht von sich aus alle Bedürfnisse erfüllt, die wir haben. Darum geht es mir im Kern: Wir sollten uns für unsere Bedürfnisse einsetzen. Wie sollen wir denn sonst das bekommen, was wir uns wünschen?

Die Seitensprung-Fibel: In der Theorie hört sich das alles ganz prima an. Aber wie funktioniert das mit der Veränderung in der Praxis? Schließlich schreiben Sie ja, dass Beziehungsgespräche Partnerschaften ruinieren. Wenn ich nicht ausführlich darüber reden darf, wie vermittelte ich dem anderen dann, was er ändern soll?

Christian Thiel: Beziehungsgespräche funktionieren aus einem ganz einfachen Grund nicht. Sie bestehen zu weiten Teilen aus Kritik und aus Schuldzuweisung. Sie sind also eine große Portion Negativität. Ich weiß ja auch nicht, wer auf die Idee gekommen ist, dass es so möglich sein solle, etwas zum Besseren zu verändern. Auf Kritik reagieren Menschen nun mal nicht positiv – sondern gekränkt. Oder mit einer Gegenkritik. Das war schon immer so und das wird immer so bleiben.

Was wir brauchen, dass sind klare Ansagen – aber bitte höflich. Sie sollen sagen, was Sie sich wünschen. Und natürlich hilft es auch, wenn Sie sich anschließend freuen, wenn Sie das bekommen haben, was Sie wollten. Menschen lieben die Freude anderer. So bekommen Sie leichter was Sie haben wollen, als durch Beziehungsgespräche.

Die Seitensprung-Fibel: Ich mach mir meinen Partner so, wie er mir gefällt – ist es nicht auch ein bisschen vermessen, den anderen nach den eigenen Wünschen zu verändern?

Christian Thiel: Warum vermessen? Wie soll der andere denn wissen, was wir brauchen, wenn wir es ihm nicht ganz klar sagen. Er kann sein Verhalten nur ändern, wenn wir deutliche Wünsche äußern. Er kann doch nicht hellsehen.

Die Seitensprung-Fibel: Mal ein bisschen bös gefragt: Pimp your Lover – geht das denn, kann ich mir jeden Partner schön ändern?

Christian Thiel: Nein, gerade am Anfang einer Partnerschaft muss man deutlich sagen: Wenn es nicht stimmt, dann stimmt es eben nicht. Zu viele Kompromisse helfen zu Beginn nicht weiter – sondern nur höhere Ansprüche bei der Partnersuche. Zunächst einmal muss der andere wirklich passen. Aber wenn wir länger zusammen sind, dann merken wir mit der Zeit doch, dass wir Veränderungen brauchen.

Die Seitensprung-Fibel: Dann geht es ja oft los, vom Ordnungssinn bis zum Aussehen – viele von uns haben am Partner nach einiger Zeit jede Menge auszusetzen. Kann man alles ändern oder gibt es Grenzen?

Christian Thiel: Oh ja, es gibt klare Grenzen. Niemand von uns lässt sich beliebig verändern. Wenn wir unordentlich sind, und das schon seit Jahrzehnten, dann werden wir kein Ordnungsfanatiker mehr. Wozu auch? Die meisten Menschen sind sehr zufrieden mit ihrem Charakter – und wollen nicht von einem anderen verändert werden.

Der Charakter ist sehr stabil, sein Verhalten hingegen lässt sich viel leichter beeinflussen.

Die Seitensprung-Fibel: Existiert eigentlich so etwas wie ein goldenes Zeitfenster, innerhalb dessen man seinen Partner ändern kann? Nach dem Motto: Die ersten drei Jahre in einer Beziehung sind entscheidend, wer bis dahin keine Änderungsversuche gemacht hat, der bewirkt nichts mehr?

Christian Thiel: Das nicht. Auch später lässt sich noch eine Menge machen. Aber nach drei Jahren resignieren eben schon viele Menschen. Sie sind dann bereits enttäuscht – und auf dem Weg aus der Beziehung hinaus. Insofern gibt es schon ein Zeitfenster, in dem Veränderungen ganz wichtig sind: Die Zeit nach der Verliebtheit, also wenn wir ein oder zwei Jahre zusammen sind.

Paare die sich in dieser Zeit auseinandersetzen – über unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse – die bleiben eher zusammen, als Paare, die das nicht tun. Ich finde, das macht Mut – zum Verändern.

Die Seitensprung-Fibel: Die Frau ist unglücklich, der Mann aber nicht bereit, etwas zu ändern. Was dann?

Christian Thiel: Einseitige Maßnahmen reichen völlig aus. Die Frau sollte weder meckern noch nörgeln – sondern sehr konsequent immer wieder für Veränderungen eintreten. Eine Frau, die wirklich weiß was sie will, die erreicht in der Regel auch etwas. Oft wissen Frauen aber ganz und gar nicht, was sie wollen. Das ist einer der wichtigsten Schritte beim Verändern: Herausfinden, was anders werden soll. Ganz konkret. Braucht sie mehr Anerkennung und mehr Lob? Oder mehr Zärtlichkeiten? Darum geht es.

Die Seitensprung-Fibel: Zwei Menschen verändern sich ja zwangsläufig in einer längeren Beziehung. Was kann ich tun, wenn ich feststelle, dass mein Partner sich so entwickelt hat, dass ich unzufrieden bin, oder dass meine Ansprüche und Bedürfnisse sich gewandelt haben? Geht Verändern dann auch noch?

Christian Thiel: Wir ändern uns in der Tat ständig. Besonders stark sind diese Veränderungen wenn wir eine Familie gründen, wenn Kinder groß werden und aus dem Haus gehen. Wir sollten wirklich ständig im Gespräch mit dem anderen sein über all diese Änderungen – und über die Wünsche an ihn, die sich daraus ergeben. Partnerschaft ist ein ständiges Geben und Nehmen – ein Leben lang. Aber das, was ich brauche, das kann sich auch ändern.

Die Seitensprung-Fibel: Die meisten von uns begutachten Ihre Beziehung ja kaum in regelmäßigen Abständen rational und analysieren, was sich ändern muss, damit sie glücklicher sind. Haben Sie einen Tipp, wie Paare ihre Partnerschaft im Auge behalten können, um rechtzeitig schlechte Entwicklungen zu stoppen?

Christian Thiel: Wir haben für nötige Veränderungen in der Partnerschaft einige innere Seismographen. Die schlagen aus, wenn etwas nicht mehr stimmt. Wer anfängt zu nörgeln – der ist unzufrieden. Und er sollte sich fragen: Was muss sich ändern?

Wer anfängt, sich nach anderen Männern oder Frauen umzuschauen, der sollte sich diese Frage ebenfalls stellen.

Wer feststellt, dass er sich zu einem anderen Mann oder einer anderen Frau hingezogen fühlt, weil der von ihr oder ihm im Gespräch sehr viel mehr Anerkennung bekommt, als vom Partner, der sollte ebenfalls hellhörig werden.

Letzte Möglichkeit: Wenn die Sexualität eines Paares immer seltener wird oder immer liebloser, auch dann ist es wichtig, genau hinzuschauen und sich zu fragen: Was stimmt nicht? Die Sexualität hängt beim Menschen ganz eng mit dem Gefühlsleben zusammen. Deshalb sollten wir eine versiegende oder eine unbefriedigende Sexualität nie auf die leichte Schulter nehmen.

Lieber Herr Christian Thiel, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch!

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