Menschen, die sich zwischen Lebenspartner und Affäre entscheiden müssen, wünschen sich ein objektives Kriterium, was denn nun »richtig« oder »falsch« sei. Die Versuchung, getreu unserer Wegwerfgesellschaft den Partner gegen ein neues, aufregenderes Modell auszutauschen, ist groß. Ebenso groß ist allerdings auch das Erstaunen, wenn sich herausstellt, dass sich die Geschichte wiederholt. Plötzlich tauchen die selben Probleme, die selben Unstimmigkeiten auf, die schon beim »Vorgängermodell« für Frust sorgten. Weil zwar der Partner ausgewechselt wurde, nicht aber die Probleme im Hintergrund.
Dabei ist die Antwort theoretisch ganz einfach: Liebe fühlt sich richtig an und braucht keine Lügen, keine Heimlichkeit. Das Zusammensein oder Zusammenbleiben, die gegenseitige Verbindlichkeit gehen nicht mit Verzichts-Empfinden einher, sondern sind erfüllend. Da ist Neugier auf gelebtes Leben, Veränderung, die Lust auf gemeinsame Entwicklung, Tiefe, Zukunftspläne und? Genau: offene Kommunikation. Theoretisch. Im täglichen Leben begegnet uns leider häufig das Gegenteil. Beziehungen, die eigentlich längst vergangen sind und nur aufgrund gegenseitiger Abhängigkeit weitergeführt werden. Ehen, in denen beide Partner ein eigenes Leben führen und die einzige Gemeinsamkeit im Reklamieren der zu hohen Telefonrechnung besteht. Partnerschaften, in denen diverse Defizite so lange unter den Teppich gekehrt und mit Seitensprüngen kompensiert werden, bis irgendwann die Trennung weniger weh tut als der Betrug.
Nach dem Motto »Versuch macht klug« sprechen wir nicht mehr von Lebensgefährten, sondern von Lebensabschnittsgefährten und rechtfertigen damit die Trennung zugunsten des Neubeginns. Nun steckt im Wörtchen Versuch ja auch die Suche. Wonach? Leidenschaft, Verbundenheit, Sex, Erfüllung, Nähe, Verstandenwerden? Und was bringt uns auf die Idee, dass ein bestimmter Mensch uns all das geben könne?
Es klingt provokant, aber: Wir entscheiden bereits beim Kennenlernen, ob wir mit einem Menschen dauerhaft in Liebe eine Beziehung leben werden – oder ob es uns »nur« darum geht, eine notwendige Erfahrung zu machen. Natürlich findet dieses Aussuchen auf einer unterbewussten, archaischen Ebene unserer Persönlichkeit statt. Kein Mensch würde sich zu einer Verabredung an den Tisch setzen und sagen: »So, nun lass uns mal unsere karmischen Kniffligkeiten miteinander diskutieren. Wir werden uns verlieben, uns fürchterlich weh tun und uns nach 2,85 Jahren wieder trennen. Und welche Musik hörst du so?«
Im Buddhismus existiert übrigens die Überzeugung, dass gerade die Liebespartner, mit denen wir besonders schmerzhafte Lebenserfahrungen machen, uns in einem anderen Leben sehr geliebt haben müssen, weil sie sich bereit erklärt haben, uns in diesem Leben diese Erfahrung zu vermitteln.
Lieben heißt freiwillig zusammen zu sein
»Liebe ist die Freiheit zu wählen, mit wem man sein Leben teilen möchte. Liebe ist verbindlich, ohne fordernd zu sein.« Diese Glückwunschkarten-Sprüche klingen zwar nett, doch kennen wir die wirkliche Bedeutung?Wir schaffen die Voraussetzung für eine glückliche Liebesbeziehung, wenn wir uns bewusst oder unbewusst dafür entscheiden, uns authentisch auf den tiefsten emotionalen, geistigen, seelischen und körperlichen Ebenen mit einem Menschen zu verbinden. Durch diese Entscheidung schaffen wir die Basis, unserer »großen Liebe« überhaupt erst zu begegnen, sie zu erkennen, anzunehmen und tatsächlich zu leben. Denn lieben heißt, freiwillig zusammen zu sein. Nicht etwa aus Angst vor dem Alleinsein, nicht wegen der Kinder, nicht aus finanziellen Zwängen, Gewohnheit, religiösen Gründen oder weil ein Trauschein es vorschreibt. Sondern weil beide es in freiem Willen so entscheiden und aus tiefstem Herzen wollen. Für dieses »Wollen« gibt es keine Altersgrenze und kein Verfallsdatum.
»Oder um mit Al Pacino zu sprechen: Alles andere ist nur Schokolade«
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