
Schluss machen können wir nicht
Ich bin schon seit 18 Jahren zum 2. Mal verheiratet. Inzwischen sind die Kinder alle aus dem Haus. Mein Mann arbeitet auf Montage, ich selbst bin selbständig. Seit vielen Jahren schon bin ich in meiner Ehe nicht mehr zufrieden. Das fing schon damit an, dass ich mich nie in sexueller Hinsicht mit meinem Mann ausleben konnte.
Er brauchte nie viel davon. Irgendwann hatte es sich dann eingeschlichen und irgendwann war dann auch der Rest eingeschlafen. Ich kam mir so elend vor in dieser Beziehung und wusste doch nicht, wie da raus kommen, denn vorm Alleinsein hatte ich irgendwie Angst.
Judith, 52 Jahre [Originalphoto]
Jetzt suche ich mir einen anderen fürs Bett
Erst per Zeitungsannonce, dann im Internet. Aber da hatte sich dann auch nie wirklich was ergeben. Ich bin beruflich viel unterwegs, treffe viel auf andere Leute, aber da war nie jemand und es steht ja nun auch keinem auf der Stirn geschrieben. Und dann vor zwei Jahren ist es einfach mal so passiert. Da stand er und ist mir auch gleich aufgefallen. So ein Großer, Schlanker mit einem markanten Profil. »Wow!«, dachte ich, »dass ist ja mal ein Hübscher!«. Hätte ihn aber von mir aus nie angesprochen. Aber er hat es getan. Und ich gab ihm meine Visitenkarte und er rief mich zwei Tage später an, was ich gar nicht mehr vermutet hatte. Noch am gleichen Tag haben wir uns getroffen. Einfach so, mal einen Kaffee trinken. Und als wir dann raus gingen, sagte er zu mir: »Ach, ich will dich jetzt gerne küssen.« Dieses Treffen war das einzige halbwegs "anständige", was wir miteinander hatten. Ich dachte, ich schwebe gerade irgendwie davon. Alles, was ich denken konnte, war: »Ups, das gibt es doch jetzt nicht.«Er ist 15 Jahre jünger
Mein wahres Alter verriet ich ihm allerdings erst einige Zeit später, weil ich es nicht glauben konnte, dass einer auf Ältere steht. Aber er sagte darauf hin nur: »Wow, dann ist das alles ja noch viel besser!« Und er fragte mich damals, ob ich mich eigentlich in ihn verliebt habe. Damals war es bei mir noch nicht so. Irgendwann war es dann doch passiert. Und dann wurde es schwierig, weil er ein ganz schöner "Schisser" ist. Sprich: Er würde seine Frau nie verlassen, und sein Häuschen und seine Tochter. Ich dagegen war schon bald bereit gewesen, mein Leben komplett zu ändern. Doch er konnte nicht, oder hatte nicht den Mut oder in seiner Ehe lief es dann irgendwie wieder etwas besser.Als ich's nicht mehr aushielt, hab ich versucht, die Beziehung zu beenden, dachte, wozu denn diesen Stress antun. Nach 9 Tagen klingelte er bei mir, meinte, er hat es nicht mehr ausgehalten. Vermisse es so. Ich überlegte mir alles komplett wieder. Später war ich wieder mal irgendwie enttäuscht, weil er immer so wenig Zeit hat. Ich schrieb ihm eine SMS, dass er mich nicht mehr anrufen braucht. Und dann merkte ich erst, wie viel er mir bedeutete. Was hatte ich getan. Am nächsten Tag rief ich ihn an, heulte, erklärte. alles fing von vorne an. Später dann war es bei ihm mal so. Ist ja auch manchmal so, dass man sich irgendwie mit der Situation insgesamt überfordert fühlt. Ich war sehr traurig, konnte aber nichts tun. Dachte, nun ist es wirklich vorbei. Doch nach drei Wochen kam er zurück. Alles fing wieder an. Das war vor etwa einem Jahr. Seitdem lassen wir es einfach so, weil wir wohl beide wissen, dass es so schön ist, wie es ist. Ich hab allerdings zu tun, mein Herz festzuhalten, während ich denke, er will nur Sex.
Die Hochs und Tiefs einer Geliebten
Wir telefonieren eigentlich fast jeden Tag mit einander und immer ist er es, der mich anruft. Wir treffen uns etwa ein bis zweimal die Woche. »Treiben« es, wo es geht, miteinander und - leider - nur selten - in meinem Bett, weil er ja sehr vorsichtig ist, damit sie nichts merkt. Das nervt mitunter schon ganz schön und ich fühle mich dann auch manchmal benutzt. Aber meine Gefühle als Geliebte sind nun mal da, auch wenn ich versuche, sie in den Griff zu bekommen, damit umgehen zu können. Ich sag ihm dann heute: »Nein, ich bin nicht in dich verliebt, sind nur die Hormone.«, damit er sich ärgert oder ich mich nicht so blöd fühle, weil er nie was dazu sagte, wenn ich ihn fragte, ob er mich denn auch gern hat oder so. Dann kam nur immer: »Ich kann so was nicht.« Ja, toll! Da kann man ja nur sauer sein! Und sich selbst fragen: »Wie blöd, verdammt noch mal, bin ich eigentlich? Oder wie dämlich? So was kann der mit mir machen, wieso lass ich das zu?« Aber was soll ich machen? Ohne ihn würde mir unheimlich was fehlen, also muss ich mich arrangieren.Schmetterlinge im Bauch
Dass er nichts für mich empfindet, glaub ich nicht, auch wenn's ja heißt, Männer können Sex und Gefühle immer so schön trennen. Aber wenn er mich küsst, wie er mich küsst und das kann er so unheimlich gut, dass mir ganz schwindlig davon wird, und auch sonst hab ich schon das Gefühl, da wird schon was sein, was er für mich empfindet, er will es nur nicht sagen, weil er es ja eh schon bei mir merkt und es dann zu kompliziert würde. Das ist einfach so unglaublich schön, sich in seinen Armen zu verlieren, dass ich ja schön blöd wäre, mit ihm Schluss zu machen. Er ist genauso, wie ich es mir immer vorgestellt habe und er hat nichts vergessen von all den Malen, wo wir uns trafen, auch nicht am Anfang und ich glaube, auch wenn er nicht darüber reden kann, über seine Gefühle, dass er doch welche für mich hat, dass ich schon was für ihn bedeute, ein Punkt in seinem Leben bin, denn er hat sonst auch ziemlich Stress mit seinem Haus, die Raten, sein Job, der ihn frustet, da ist seine Tochter, die er liebt, sein Haus und Garten, an dem er nun mal zu gerne herumbastelt. Und mit ihr läuft ja angeblich, seit wir uns kennen, nix mehr in der Kiste. Sie reden nur das Nötigste, es funktioniert irgendwie und er weiß nicht, wie er da raus kommen soll.Ja, und dass er mit mir den schönsten Sex seines Lebens erlebt und schon immer eine Ältere wollte, die genauso ist, wie ich (also ich sehe jetzt nicht so alt aus, wenn ich Fotos von früher von mir anschaue, oh Gott!). Das alles hat er in mir verändert, meine ganze Einstellung zum Leben. Er ist wie Medizin für mich. Ich sehne mich nach ihm und trinke ihn aus und irgendwie, ja, hoffe ich ja doch, dass...
Entscheidung
Ich werde meinen Mann verlassen, weil ich absolut nichts mehr für ihn empfinde. Ich bin grantig und genervt, wenn er mal heimkommt, will keinen Sex, Küssen eh schon lange nicht mehr. Er ist absolut nicht mehr der Mann, den ich früher mal geliebt hatte und ich fühle mich dabei nun auch nicht wirklich toll. Es war eigentlich schon lange nur noch eine finanzielle Frage, ob ich diese Ehe weiterführe. Ich trenne mich von ihm nicht wegen meines Geliebten, jedenfalls nicht hauptsächlich, sondern, weil wir uns total auseinander gelebt haben. Es ist scheiße, ihn dann auf Dauer weiter zu verarschen und, weil ich weiß, wie ich mich fühle, mit einem anderen Mann zusammen zu sein, für den ich so empfinde, ob es nun verliebt sein, gern haben oder sonst was ist wie z.B. Leidenschaft. Dann lebe ich lieber mein eigenes Leben mit einem Mann, den ich dann eben nur für die besonderen Momente habe als so wie bisher.Jetzt endlich habe ich den Mut und im Moment auch die Finanzen dazu. Das Leben ist zu kurz, um in einer eingeschlafenen Ehe ewig zu verharren, um im Alter nicht alleine zu sein. Lieber bin ich allein, als mit meinem Noch-Mann. Er ist ja nicht schlecht zu mir, aber er kann tun was er will, alles nervt mich. Ich will weg, will frei sein. Das Leben ist auch zu kurz, um auf die schönste Sache der Welt zu verzichten, auf den Moment, wenn ich meinen Liebhaber treffe, wenn ich meine Arme um ihn schlinge, und die küsse... und alles andere alles, alles, alles. So ein Gefühl, das kann man nicht kaufen. Doch das kann man mitnehmen bis auf den letzten Weg. Es ist besser als jedes neue Auto, jeder neue Fummel oder ein Haus.
Okay, und wenn jetzt einer/eine meint, diese unmoralische Kuh, was tut sie der Ehefrau da an, hat er/sie nichts verstanden, hat es nie erlebt, was man durchmacht. Okay, es ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, aber deshalb ist es auch so gut, dass man hier mal alles loswerden kann. Vielen Dank! Judith*
*Name wurde von der Redaktion geändert













