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Seite 1: Der Weg in eine Dreiecksbeziehung
Dreiecksbeziehung

Wenn ein »harmloser« Seitensprung zur Dreiecksbeziehung wird

Es gibt im Jahr 2010 wohl kaum jemanden, der noch keine Erfahrungen mit Seitensprüngen oder Affairen gesammelt hat. Weil das Thema allgegenwärtig ist, gibt es hierzu auch zahlreiche festzementierte Meinungen und »politisch korrekte« Ansichten.

Heimliches Verhältnis, Dreiecksbeziehung, Daueraffaire, Zweitbeziehung – diese Bezeichnungen sind bewährte Steilvorlagen für die Thesen überzeugter Moralkeulenschwinger. Weil sich verständlicherweise niemand gerne damit eins überbraten lässt, wurden bereits eine ganze Reihe Umschreibungen fürs Fremdgehen erfunden und schwirren durch den Äther. Schattenliebe, Freundschaft mit Extras, Seelenverwandtschaft. Hauptsache, es klingt nicht nach dem, was es in Wirklichkeit ist.

Keine Sorge: Die Moralkeule lassen wir stecken. Hier soll keineswegs die monogame Zweierbeziehung gepriesen und alles andere verteufelt werden! Solange alle Beteiligten eines Beziehungs-Dreiecks über die emotionalen und sexuellen Verbindungen im Bilde und einverstanden damit sind, kann dies ein sehr erfüllendes, positives Lebensmodell sein. Ob es nun als offene Ehe, Polyamorie oder Dreierbeziehung bezeichnet wird, spielt keine Rolle.

Aber was, wenn es eben keine ehrliche, vertrauensvolle Liebe zu dritt (oder zu viert) ist, sondern ein ständiges Lügenspiel? Voller Heimlichkeit, Täuschung und egoistischer Alleingänge?

Ein Seitensprung ist kein Drama – kann aber eines werden

Okay, es ist passiert. Sie hatten Sex mit jemandem, der nicht Ihr Partner ist. Da war diese magische, fröhliche Stimmung zwischen Ihnen, die Situation war erotisch-sinnlich aufgeladen, eine unwiderstehliche Anziehungskraft, Ihr Körper hat auf Autopilot geschaltet. Es war toll, es war ein One Night Stand und wird sich nicht wiederholen. Deshalb braucht auch niemand davon zu erfahren. Bis hierhin völlig unkompliziert.

Dann der erste Anruf, E-Mails, SMS. Aufflackernde Lust auf Wiederholung. Das zweite Treffen. Noch rauschhafterer Sex als beim ersten Mal, weil diesmal geplant und befeuert von einer gewaltigen Bugwelle aus Vorfreude. Das dritte, vierte, zehnte Treffen. Einen Monat später, ein halbes Jahr später, und immer noch fliegen bei jeder Begegnung die erotischen Funken, wie Sie es in Ihrer Partnerschaft schon lange nicht mehr erleben. Längst hat sich ein Lügen- und Alibi-Konstrukt etabliert, in dem Sie ohne größere logistische Probleme Ihren ursprünglichen One-Night-Stands und Ihre Beziehung unterbringen.

Das bohrende, schwarze Gefühl in Ihrem Herzen allerdings, das lässt ich nicht organisieren und weglügen. Schuldgefühle Ihrem Partner gegenüber? Nicht nur. Was da wehtut, ist das Wissen, längst von einer locker-gutgelaunten Sexgeschichte in ein ernsthaftes Liebesdrama gestolpert zu sein, ohne den Übergang richtig zu registrieren.

Warum bleibt es nicht beim harmlosen Seitensprung?

Spätestens in dem Moment, in dem Ihnen klar wird, dass Sie mit Haut und Haaren in Ihrer heimlichen Affäre festhängen, verliert die Geschichte ihren ursprünglichen Zweck: Spaß, Lust und vielleicht eine lockere Freundschaft nach dem Sex. Statt dessen fühlen Sie sich verzweifelt, schwanken zwischen Sehnsucht nach dem Affairenpartner und Schuldgefühlen Ihrem Lebenspartner gegenüber, wünschen sich die alten Zeiten zurück, in denen Sie sich in der Zweierbeziehung wohl und sicher gefühlt haben – und wissen dabei genau, dass Sie allein durch Ihr illoyales Verhalten dieser Beziehung ebenjene Basis entzogen haben.

An dieser Stelle sollten Sie gedanklich kurz verweilen.

Wo sind Sie emotional abgebogen, haben sich von Ihrem Partner abgewendet und sind in eine heimliche Parallelwelt geflüchtet? Als es um die nie gekannte sexuelle Erfüllung ging? Um Gespräche? Lachen, unbeschwerte ausgelassene Albernheit? Das Neue, Unbekannte, Aufregende? Haben Sie es genossen, bewundert und angehimmelt zu werden? Oder fühlte sich einfach die Unverbindlichkeit gut an? Zwischenmenschliche Nähe ohne Hypotheken, Haushalt, Kindergeschrei und Ärger mit den Schwiegereltern?

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Dieser Artikel hat 4 Seiten. Lesen Sie auch . . .

Seite 1: Dreiecksbeziehung: Wenn ein Seitensprung zur Affäre wird
Seite 2: Grauzone: Die Grenze zwischen einem Seitensprung und Affäre
Seite 3: Die Dreiecksbeziehung als Metapher
Seite 4: Das Märchen vom schützenden Schweigen

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Kommentare
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[Gast] Renate || 30.08.2010 12:54:41
Man ist schneller drin, als man denkt: Die Affäre weckt Gefühle in einem, die in der Beziehung längst erloschen oder kaum auffindbar sind. Die Achterbahn der Gefühle komt ins Rollen. Immer heftiger werden die Hochs... und die Tiefs fühlen sich so zerschmetternd an, als würde dir jemand beim lebendigem Leibe das Herz heraus reißen


Es ist wie bei einem Abhängigen: Der fehlende Kick in der Beziehung wird kompensiert durch die Droge Affäre. Das Gefühl, seinen Seelenverwandten nicht zu sehen, zu fühlen, mit ihm Zeit zu verbrigen... sorgt für heftige Entzugserscheinungen, dass man fast Wahnsinnig werden kann.

Die Realität schwindet immer mehr dahin, wird von einer »rosaroten Brille« verschleiert, die Entscheidungskraft täglich getrübt. Eher man sich versieht, hat die Affäre tiefe und starke Wurzeln geschlagen, die sich um wie eine Anaconda um Deinen Hals schlengeln und langsam aber sicher die Luft zum atmen rauben.

In einer ruhigen Stunde, wird einem bewusst, dass man sich in dem Strudel einer Dreieicksbeziehung befindet, aus der man gar nicht mehr herauskommt. Man klammert sich an einem untergehenden Strohhalm... ein Rettungsbot ist leider nicht in Sicht...
colt007 || 30.08.2010 12:24:03
Die eigene Partnerschaft kann nur lebendig und wandelbar gehalten werden, wenn es beiden Partnern gelingt, alles und jegliches, was in der Partnerschaft auftritt und geschieht, offen und direkt miteinander, ohne Vorbehalte und Tabus, zum Gegenstand von Auseinandersetzungen zu machen und diese Auseinandersetzungen in einer Weise zu führen, die beiden in Form und Ergebnis akzeptabel erscheint.

Dazu muss jeder von beiden bereit sein, die eigene Position und Sicht der Dinge sowie das eigene Verhalten infrage zu stellen und zu verändern. Nur, wenn und solange diese Bedingungen gegeben sind bzw. beide sich ernsthaft bemühen, sie herzustellen, lassen sich zukünftige Seitensprünge und Dreiecksbeziehungen verhindern.

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