Unserer Buchtipp des Psychotherapeuten Heinz-Peter Röhr

Narzissmus –  Das innere Gefängnis

Kurzbeschreibung

Heinz-Peter Röhr spricht in erster Linie Betroffene an, nämlich Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Eine solche liegt vor, wenn das Bedürfnis nach Liebe, Bewunderung und Anerkennung extrem übersteigert ist. Wenn jemand alles daran setzt, immer der Beste, der Schönste, der Erfolgreichste zu sein, rücksichtslos und selbstüberschätzend. Dieses Verhalten macht ihn unfrei – ganz besonders in der Liebe. Die Folge ist oft ein unsolides Beziehungsleben, Liebesenttäuschung, bisweilen auch ein ausgeprägtes Suchtverhalten. Der bekannte Psychotherapeut Heinz-Peter Röhr will auch weitere Betroffene erreichen: nämlich diejenigen, die Menschen mit narzisstischer Persönlichkeit lieben oder mit ihnen leben. Sie alle finden hier einen sehr einfühlsamen Zugang zu einem schwierigen Thema.

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Erkenntnisse aus diesem Sachbuch

Ein gewisses Quantum an Selbstliebe ist gesund, zuviel davon wirkt sich negativ auf Beziehungen sowie das gesamte Leben aus. Nicht nur der Umgang mit übertrieben selbstüberzeugten Menschen ist schwierig und beruflich oder privat problematisch. Auch Betroffene selbst leiden: Eigentlich fühlen sie sich minderwertig und ungeliebt und finden sich überhaupt nicht so toll, wie sie es andere glauben machen wollen. Das tun sie aus Selbstschutz – sie sitzen im sprichwörtlichen Eisenofen. Heinz-Peter Röhr erläutert anhand eines Grimmschen Märchens mögliche Ursachen einer narzisstischen Störung, deren Symptome und wie eine Heilung möglich ist. Das ist äußerst fundiert und enorm spannend.

Produktinformationen

  • Titel: Narzissmus –  Das innere Gefängnis
  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Kreuz Verlag; Auflage: 1 (5. Juni 2013)
  • ISBN-10: 3451611848
  • ISBN-13: 978-3451611841
  • Preis: EUR 14,99

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Ausführliche Beschreibung

Liebe dich selbst – aber bloß nicht zu sehr

Narziss war einer altgriechischen Sage zufolge ein schöner Jüngling, der sich unsterblich in sein eigenes Spiegelb ild verliebte. Er ist Namensgeber für Persönlichkeitsstörungen, denen eine übertriebene Selbstliebe zugrunde liegt. Wir alle kennen Menschen, die von sich selbst besonders beeindruckt wirken, die mit ihren Leistungen prahlen und nach Aufmerksamkeit gieren. Das kann durchaus noch im normalen Rahmen sein. Wenn jemand allerdings Allmachtsphantasien entwickelt, ein unstillbares Bedürfnis nach Bewunderung und verbunden damit massive Beziehungsprobleme hat, dann spricht man von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Um die geht es bei Heinz-Peter Röhr: Mittels Märcheninterpretation erläutert er das Problem überaus verständlich.

Es war einmal...ein Mann, der sich selbst für unübertreffbar hielt. Er forderte allzeit Bewunderung und war durchaus erfolgreich damit. Schließlich heimste er einige Siege ein: Tolle Karriere, schöne Frauen, viele Bekannte. Wer ihn nicht ebenso toll fand, wie er sich selbst, wurde aus dem Lebensweg geräumt. Andere genügten ohnehin nur als Spiegelfläche für sein überhöhtes Selbstbild.

Wirkliche Nähe ließ er kaum zu, keine Frau war die Richtige, die Beziehungsenttäuschungen häuften sich. Gefangen in seiner Gefühlswelt herrschte er offenbar allmächtig über seine Emotionen. Aber allzu oft überkam ihn eine existenzielle Leere, eine Lebensmüdigkeit und ein erdrückendes Gefühl der Verzweiflung – das ist unser Mann im Eisenofen.

Not wird zur Tugend: Von mangelnder Liebe zu übertriebener Selbstliebe

Menschen, die im Eisenofen leben, schreibt Heinz-Peter Röhr, schotten sich mit einem undurchdringlichen Gefühlspanzer von der Außenwelt ab. Was aus der Ferne imposant wirkt, ist näher betrachtet oftmals einer tiefen Verletztheit geschuldet, die ihre Wurzeln in der Kindheit hat. Die Liebe, die uns dort gefehlt hat, mutiert unter Umständen zu einer übertriebenen Selbstliebe, die wie ein Schutzschild das empfindsame Innere bewacht. Wer als Kind nicht bedingungslos und wirklich um seiner selbst Willen geliebt wurde, kompensiert diesen Mangel bisweilen als Erwachsener durch übertriebene Selbstliebe, eben Narzissmus.

Hinter der augenscheinlich arroganten Überheblichkeit steckt oft das genaue Gegenteil: Um das schmerzende Gefühl des Ungeliebtseins zu verdrängen, wird ein überhöhtes Selbstbild als Abwehr vorgeschaltet, nach dem Motto «Ich brauche niemanden, ich bin viel besser als der Mensch, von dem ich Liebe zu erwarten hätte, ich bin selbst mein Ideal.»

Dahinter, so Röhr, stecke eigentlich ein Mangel an wirklicher Selbstliebe, die zwanghaft von anderen eingefordert wird. Und zwar ohne Rücksicht auf Verluste – und auch ohne Aussicht auf wirklichen Erfolg, nämlich Erlösung aus dem Gefühlskäfig.

Die Mutter aller Liebesprobleme?

Märchen sind wertvolle Quellen für Wissen gerade über unser Unbewusstes, schreibt Röhr. Die überlieferten Geschichten sind als dramatische Inszenierungen von typischen Problemen zu verstehen, die immer und überall Menschen bewegten und vor allem bedrückten.

Märchen seien die Antwort der Seele auf die Probleme der Menschen, so Röhr. Wichtig sei, dass man sie in ihrer Symbolhaftigkeit richtig verstehe und nicht als naive Erlösungsgeschichten interpretiere, sondern die auftretenden Figuren als Abbilder von Persönlichkeitsaspekten erkenne. Genau das zeigt Röhr anhand des Märchens «Der Eisenofen» der Gebrüder Grimm.

Der Inhalt in Kürze: Ein Königssohn wird von einer Hexe in einen Eisenofen im Wald verwünscht. Nach Jahren kommt eine Königstochter, die sich verirrt hat, an dem Eisenofen vorbei. Der Königssohn verspricht, ihr den Weg nach Hause zu zeigen, wenn sie mit einem Messer zurückkehrt, ihn befreit und heiratet.

Die Königstochter findet heim und berichtet ihrem Vater alles. Der schickt die Müllerstochter zum Eisenofen, doch die schabt vergeblich an dessen eiserner Hülle. Die Königstochter selbst muss kommen, befreit den Gefangenen und ist willens, ihm in sein Königreich zu folgen. Ihren Vater darf sie noch einmal sehen, mit ihm allerdings nur drei Worte wechseln. Weil sie sich nicht daran hält, ist bei ihrer Rückkehr der Eisenofen verschwunden.

Sie macht sich auf die Suche und bekommt dabei Schützenhilfe von Kröten, die sie mit Nadeln, einem Pflugrad und drei Nüssen ausstatten. Diese helfen ihr, etliche Hindernisse auf dem Weg zum Königssohn zu überwinden. Aber im Schloss bekommt sie es mit ihrer unrechtmäßigen Nachfolgerin zu tun. Sie lässt sich als Küchenmagd anstellen und erkauft sich von der neuen Braut eine Nacht mit dem Königssohn. Beim dritten Mal gelingt es ihr, zum Königssohn vorzudringen – der die wahre Braut erkennt und sie heiratet.

In diesem Märchen wimmelt es nur so von Symbolen, alles darin ist von tieferer Bedeutung – wenn man es richtig deutet. Wer im «Eisenofen» nur eine Liebesgeschichte mit Happyend sieht, bei der ein verwunschener Königssohn von einer tapferen Königstochter erlöst wird, verkennt den eigentlichen Sinn – und damit das Heilungspotenzial dieses Märchens, so Röhr.

Eisenofen, Hexe, Kröte und Glasberg – Symbole der inneren Reifung

Auf den ersten Blick sind es typische Märchenmotive: Es gibt eine Hexenverwünschung, die einen Königssohn zur völligen Isolation verdammt. Damit verbunden stellt sich eine schier unlösbar erscheinende Aufgabe, nämlich die Befreeiung aus dem Eisenofen. Nur eine hartnäckige Königstochter kann den Bann brechen, dafür muss sie aber einige märchenhafte Aufgaben lösen.

Röhr ermuntert dazu, tiefer in die Materie einzusteigen und den symbolischen Gehalt des Märchens wirklich zu erspüren und zu begreifen. »Der Eisenofen« ist nämlich seiner Fachmeinung nach eine überaus hellsichtige Darstellung der narzisstischen Persönlichkeit. Die Ursachen kommen ebenso zur Sprache wie Wege zu einer Erlösung.

Alle Märchenfiguren sind zu verstehen als einzelne Teile eines Menschen, nämlich des Narzissten. Die Hexe versinnbildlicht den negativen mütterlichen Aspekt: Sie verwünscht den Königssohn in den Eisenofen. Das Drama eines Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung beginnt mit dem Drama der Eltern, sagt Röhr. Ist die Mutter nicht in der Lage, ihr Kind wirklich liebend und wertschätzend anzunehmen, verbannt sie es unter Umständen in den emotionalen Eisenofen – das Kind wird dieser unerfüllten Liebe lebenslang nachrennen.

Der Eisenofen steht für emotionale Isolation: Narzissten sind trotz des äußeren schönen Scheins in sich selbst zutiefst einsame Menschen, sie sind gefangen in ihrem Gefühlspanzer, der Nähe und positive Abhängigkeit verhindert. Die rettende Königstochter im Märchen ist ebenfalls nicht als eigenständige Person zu verstehen. Sie verkörpert gegensätzliche Aspekte derselben Persönlichkeit, denn nur der betroffene Mensch selbst kann sich erlösen.

Dazu benötigt er jedoch Hilfe – und die erhält stellvertretend die Königstochter bei ihrer Suche nach dem Eisenofen. Sie trifft hässliche, aber überaus hilfreiche Kröten, die ebenfalls Symbolcharakter haben: Das »Krötenhafte«, erklärt Röhr, verkörpere die Anteile der Persönlichkeit, die nicht gesehen oder nicht gemocht werden. Im Märchen geben sie die entscheidenden Hilfen. Die Botschaft: Um die emotionale Isolation zu überwinden, muss man auch negative Charaktereigenschaften akzeptieren und sich nutzbar machen – dafür stehen die Gegenstände, die die Kröten der Königstochter überreichen.

Die Nadeln verdeutlichen den schmerzhaften Prozess, der einer Veränderung vorangeht, ebenso der Glasberg, der überwunden werden muss. Im Schloss schließlich trifft die Königstochter alias die verborgenen Persönlichkeitsanteile, auf falsche Gefühle in Person der neuen Braut. Diese zu entlarven ist mit die schwierigste Aufgabe. Denn sie steht für den pervertierten Wunsch nach Liebe, den Narzissten oft durch ungeeignete Partner zu erfüllen suchen.

Sind wir nicht alle ein bisschen narzisstisch?

Fast alle Menschen in westlichen Industrienationen haben Eisenofen-Probleme, sagt Röhr. Gemeint sind damit Probleme mit dem Selbstwertgefühl. Unsere Gesellschaft fördert beziehungsweise fordert sogar narzisstische Verhaltensweisen, will man erfolgreich sein. Gesunder Narzissmus, schreibt Röhr, sei gut und eine wesentliche Triebfeder jeder Entwicklung, Forschung und Leistung.

Aber Maßlosigkeit, Selbstüberschätzung, innere Leere und Ausbeutung anderer sind die krasse Fortschreibung der natürlichen Selbstliebe – die zu Symptomen führen kann, die behandlungsbedürftig sind, weil sie den Betroffenen selbst oder deren Mitmenschen gewaltige Probleme machen.

Röhr regt mit seinem Buch auf der emotinal-unterbewussten Seite zur Auseinandersetzung mit dem Phänmen Narzissmus an. Und er liefert diagnostische Kriterien und Problemlösungsansätze, die dabei unterstützen können, das innere Gefängnis zu verlassen – und dem Eisenofen zu entrinnen.

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