Buchrezension: Liebe, Macht und Leidenschaft. Die Erfolgsregeln für fairen Konfliktausgleich in der Partnerschaft | Wolfgang Krüger

(S)Ein Herz dem Partner geben

Starkes Plädoyer für einen verantwortungsvollen Umgang mit Macht in der Liebe

Wer liebt und geliebt wird, hat Macht über den anderen. Das ist normal. In jeder Beziehung laufen von Beginn an Machtprozesse ab, oft im Verborgenen, meint Wolfgang Krüger. Der renommierte Paartherapeut zeigt in seinem Buch, wie das eine Bedrohung für die Liebe werden kann – und was Paare dagegen tun können.

Die Inhalte dieser Buchrezension:

Wie oft trifft man sich, wie viel Gefühl zeigt man, wie regelt man das mit der Kinderplanung, wie wird der leidige Haushalt organisiert, wie oft Sex praktiziert? Mit solchen und vielen anderen Fragen werden Liebespaare tagtäglich konfrontiert. Alle haben etwas mit Macht zu tun: nämlich mit dem Bedürfnis, den eigenen Willen auch gegen das Widerstreben des Partners durchzusetzen.

Das klingt nicht sehr romantisch. Ist aber eine Tatsache, der wir uns bewusst werden sollten, sagt Wolfgang Krüger. Denn Liebe und Macht gehören zusammen, sie sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: Ein ausgewogenes Spannungsverhältnis zwischen Liebe und Macht ist Treibstoff für die Weiterentwicklung einer Beziehung. Aber nur, wenn beide Partner bewusst ihr eigenes Machtpotenzial erkennen und bedacht einsetzen, anstatt es zu missbrauchen, etwa indem sie (un)bewusst Strategien anwenden, die in einen Teufelskreis der Macht münden.

Sachlich analysiert Krüger die Machtprozesse in Partnerschaften, vom Kennenlernen über die Familiengründung bis hin zu Sex und Geldfragen. In seiner einfühlsamen Art erläutert er mittels anschaulicher Praxisbeispiele, wie Machtprozesse entstehen, wie sie ablaufen und vor allem: Wie es Paaren gelingen kann, nicht in die Abwärtsspirale destruktiver Machtspiele zu geraten und frühzeitig gegenzusteuern.

Das ist ein sehr lesenswertes und warmherziges Plädoyer für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Macht, die Liebende übereinander haben.

Buchvorstellung: Liebe, Macht und Leidenschaft. Die Erfolgsregeln für fairen Konfliktausgleich in der Partnerschaft

Darum geht´s:

Der Mann verdient das Geld, die Frau hat im Haushalt das Sagen. Sie gewährt ihm nur Sex, wenn er sich nett verhält. Er liebt sie weniger und bestimmt darum, wann das Paar sich trifft. Sie will Kinder, er noch nicht. Wie sich das Machtproblem in der Liebe äußert, ist so unterschiedlich wie individuell. Auch der Umgang mit den Machtprozessen ist bei jedem Paar anders. Die einen richten sich ein, teilen jedem einen eigenen Machtbereich zu. Die anderen kämpfen beständig gegeneinander, im Bemühen, dem anderen den eigenen Willen aufzuzwingen.

Warum ist es schwierig, hier eine gute Balance zu finden, und wann ufert das Ringen um Bedürfnisse und Interessen in einen Kampf aus? Diese und andere Fragen beantwortet Krüger. Dabei holt er weit aus, beleuchtet sämtliche Schauplätze von Beziehungen – vom Kennenlernen über die Anfangsphase, das Zusammenziehen und den Beziehungsalltag mit Kind und Kegel.

Dieses Buch ist etwas für Sie, wenn

  • … Sie denken, Liebe und Macht gehören nicht zusammen – aber sich noch nie wirklich mit dem Thema beschäftigt haben,
  • … Sie sich Ihrem Partner unterlegen fühlen und das ändern wollen,
  • … Sie sich in Ihrer Partnerschaft ein ausbalanciertes Machtverhältnis wünschen, weil Themen wie Geld und Sex immer wieder Konfliktgegenstand sind.

So ist der Inhalt strukturiert:

Das Buch gliedert sich in 7 große Abschnitte.

1. »Die ersten drei Wochen der Liebe«

Hier beleuchtet Krüger, wie Partner zueinander finden und sich bereits beim Kennenlernen die unterschiedlichen Machtpositionen bemerkbar machen. Von der Werbungsoffensive, dem geheimen Drehbuch der Liebe bis hin zu den Belastungsfaktoren analysiert Krüger die ersten Phasen einer Beziehung unter dem Aspekt, welche Rolle Macht dabei spielt.

2. »Die Machtstrategien in Liebesbeziehungen«

Welche Machtstrategien werden angewandt, wenn es um die konkrete Gestaltung der Partnerschaft geht? Welche Stadien der Macht gibt es, wann wird sie zerstörerisch und was sind die Grundlagen einer erfolgreichen Machtstrategie? Diese und andere Fragen beantwortet Krüger in diesem Abschnitt ausführlich. Dabei motiviert er dazu, das Kräfteverhältnis in der eigenen Beziehung und auch das eigene Machtverhalten zu hinterfragen.

3. »Die Kraft der Autonomie«

Nachdem Krüger zuvor die Basis der Machtgestaltung vermittelt hat, geht er nun darauf ein, wie diese positiv ausgerichtet werden kann. Das geht, wenn beide Partner den Mut haben, Konflikte auszutragen, aber auch die Bereitschaft mitbringen, nachzugeben. Seine Grundthese: Machtprobleme lassen sich nur lösen, wenn der schwächere Partner eine größere Unabhängigkeit erlangt – denn Autonomie und ein gutes Verhältnis zu sich selbst sind Voraussetzungen dafür, einen fairen Konfliktausgleich zu bewirken.

4. »Der Machtkrieg«

Was passiert, wenn Machtprozesse in einen regelrechten Krieg ausarten – darauf geht Krüger hier ein. Von der kleinen süßen Rache über große Vergeltungsschläge bis zu unterschwelligen Dauerschlachten nimmt er das Machtgebaren in Beziehungen unter die Lupe. Haushalt, Kinder und Sex sind die Bereiche, die sich oft zu Kampfschauplätzen mit verhärteten Fronten entwickeln. Krüger erläutert, warum das so ist, wie sich die Kämpfe im Alltag abspielen und gibt Anregungen für einen guten Umgang mit Macht.

5. »Geld, Liebe und Macht«

Geld ist in unserer Gesellschaft ein wesentlicher Machtfaktor, gerade in Beziehungen: 80 Prozent aller Streitigkeiten in einer Partnerschaft drehen sich um das Geld, schreibt Krüger. Es ist Machtinstrument, Unabhängigkeitsbeweis und Kontrollfaktor – vor allem, weil es angesichts der Tatsache, dass nur jede dritte Frau genauso viel wie ihr Mann verdient, zu einer einseitigen Macht führen kann. Dabei steuert die Frage um das Geld einen Großteil der Beziehungsgeschehnisse und das Geschlechterverhältnis – dafür schafft Krüger in diesem Abschnitt ein Bewusstsein.

6. »Macht und Sexualität«

Auch dies ist ein bedeutendes Kapitel in einer Beziehung: Oft ist die Lust nicht bei beiden Partnern gleichermaßen vorhanden, Sex kann zum Machtmittel in der Liebe werden. Auch hier machen sich Unterschiede in der weiblichen und männlichen Sicht bemerkbar: Während Männer beim Sex Anerkennung und Entspannung suchen, sind für Frauen erotische Zärtlichkeiten oft emotionale Zwiegespräche. Sex gerät da bisweilen zwischen die Fronten und wird zum Machtfaktor. Wie dies geschieht und welche Folgen es haben kann, erläutert Krüger.

7. »Die 14 Regeln der Liebe und Macht«

Die Problematik sei so vielfältig und komplex, dass man keine einfachen Handlungsanweisungen geben könne, bemerkt Krüger hier eingangs. Man müsse zunächst den Kern einer Beziehung analysieren, um den Kern der Schwierigkeiten bestimmen zu können. Dennoch formuliert Krüger in seinem Buch abschließend 14 Regeln, die allgemeingültig sind – es ist die Quintessenz seiner vorherigen Ausführungen.

Das steckt im Buch

  • Viele Menschen sind sich der Macht in ihrer Beziehung nicht bewusst – das zeigte Krüger eine Umfrage. Nur 18 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass es stets Machtprozesse in der Liebe gebe, weil immer unterschiedliche Interessen vorhanden seien.
  • Niemand müsse jedoch destruktive Machtprozesse in einer Beziehung hinnehmen – denn sie sei kein Wirtschaftsunternehmen, bei dem diese Strukturen an der Tagesordnung seien, sagt Krüger.
  • Jeder muss vielmehr begreifen, nach welchen Regeln Machtspiele ablaufen und vor allem: Welchen Part er selbst dabei einnimmt.
  • Macht in der Partnerschaft sei sehr wohl mit der Liebe vereinbar, meint Krüger. Auch wenn dies unseren romantischen Vorstellungen widerspreche.

Macht was draus: 3 wichtige Zitate aus dem Buch

»Sie müssen zunächst eine intensive Beziehung zu sich selbst aufbauen. Sie sollten sich selbst finden, eine Freundschaft mit sich selbst beginnen, dann haben Sie die beste Voraussetzung, um einen geeigneten Partner zu finden.« »Humor ist der Stoßdämpfer, um trotz der Eigenheiten eines Menschen an die Liebe zu glauben. Gewinnen Sie jene innere Stärke, die Sie souverän mit den schwierigen Seiten des Partners umgehen lässt.« »Die effektivste Machtstrategie besteht darin, dem Partner jegliche Anerkennung zu verweigern. Das ist deshalb so wirkungsvoll, weil jeder von uns vom Partner abhängig ist. Schließlich soll uns der Partner vermitteln, dass wir etwas Besonderes sind, er soll unsere positiven Eigenschaften spiegeln.«

Fazit: Das bringt die Lektüre

Krüger zu lesen, bedeutet immer mehr als nur die Lektüre eines perfekt aufbereiteten Ratgebers. Es ist wie ein persönliches Gespräch mit jemandem, der viel Verständnis für alle Positionen aufbringt und Wissen vermittelt, ohne belehrend zu erscheinen.

Das macht auch dieses Buch so wertvoll: Es bietet einen exzellenten Überblick über ein Thema, das für viele Menschen ein Tabu darstellt. Und es liefert zugleich viele Anregungen für den verantwortungsvollen Umgang mit Macht in der eigenen Beziehung. Zudem beeindruckt Krüger immer wieder mit Erkenntnissen, die nach dem Lesen hängenbleiben. Wie etwa diese: Jeder sei für die Entwicklung des eigenen Lebens verantwortlich. Darum solle jeder vor allem mit sich selbst und den eigenen Entwicklungszielen kämpfen, damit er beim Partner zufrieden und zuweilen auch abgekämpft sei.

Hier geht es portofrei zum Buch –  auch als Kindle-Version erhältlich

Was genau sind gute und schlechte Machtverhältnisse, was passiert, wenn Sex als Druckmittel eingesetzt wird und welche Tipps sollten Paare beherzigen? Darüber haben wir mit Wolfgang Krüger gesprochen

2 Minuten für die Wissenschaft

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