Vier Arten der Kränkung: Was beim Fremdgehen tatsächlich weh tut

Junge, traurige Frau sitzend, blickt in die Ferne

Untreue tut weh – was nach einem Seitensprung besonders schmerzt, erklären wir hier und sagen, wie Sie aus dem Teufelskreis der Kränkungen herausfinden

Das erwartet Sie in diesem Artikel

Zahlen, Daten und Wissenswertes

    Statt hinzuschmeißen, bemüht sich die Mehrheit der Betroffenen (62 Prozent) zunächst, den Schock zu verarbeiten. 1

  • Geht nicht aus dem Kopf: 80 Prozent der Frauen und 73 Prozent der Männer quälen noch sechs Monate nach der Untreue Details des Liebesbetrugs.
  • Unermesslich wütend: Bei 68 Prozent der Frauen richtet sich die Wut auf den untreuen Partner, bei 70 Prozent auf die Geliebte. Auch 70 Prozent der Männer sind wütend auf den Geliebten, 47 Prozent auf die untreue Partnerin
  • Harte Folgen: In einer Studie der amerikanischen Therapeutin Shirley Glass gaben 24 Prozent der betrogenen Partner an, zutiefst verängstigt zu sein. Bei weiteren 18 Prozent grenzte die Angst sogar an Panik. 30 Prozent der betrogenen Partner wiesen Symptome einer klinischen Depression auf.
  • Selbstzweifel: 39 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen zweifeln an sich, weil sie denken, dass sie schlechte Liebhaber sind.
  • 1 Umfrage unter 2.704 Besuchern der Seitensprung-Fibel. Erhebungszeitraum KW02, 2015

Verliebt, verbandelt, betrogen: Was beim Fremdgehen tatsächlich weh tut

Untreue ist eines der schwerwiegendsten Beziehungsprobleme. Übertroffen wird sie Paartherapeuten zufolge nur noch durch häusliche Gewalt. Wenn der Seitensprung des Partners herauskommt, beginnt bei den meisten Paaren eine schwere Zeit mit viel Herzschmerz. Oft ist es weniger die Tatsache, dass der andere mit einem Dritten Sex hatte. Häufig ist es die erlittene Kränkung, die besonders ins Gewicht fällt. Und die kann viele Facetten haben.

Buchcover: Kann ich Dir jemals wieder vertrauenBei allem Verständnis für die möglichen Seitensprung-Motive: Für den, der von der Untreue des Partners erfährt, ist die Enthüllung ein Schock. Entsetzen und Ungläubigkeit sind fast universelle Reaktionen. Etwa 48 Stunden hält laut Andrew G. Marshall der Zustand an, in dem Sie wie gelähmt vor Schreck über die Aufdeckung sind. Das wirke auf manche Menschen geradezu narkotisierend, andere würden dadurch förmlich energetisiert, schreibt der britische Paartherapeut in Kann ich Dir jemals wieder vertrauen?. Selbst wenn Sie schon länger Lunte gerochen haben, sind Sie vermutlich am Boden zerstört, wenn Ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt werden. Die Erkenntnis, von jemandem betrogen zu werden, dem Sie vertraut haben, den Sie lieben, kann sich wie ein Todesstoß anfühlen – oder wie der größte anzunehmende Unfall in einer Partnerschaft.

Wussten Sie, dass die Symptome, die Betrogene aufweisen, sogar denen einer Posttraumatischen Belastungs-Störung ähnlich sind? Diese Reaktion können Menschen entwickeln, wenn sie etwas Lebensbedrohliches erlebt oder beobachtet haben, wie etwa einen Überfall, Misshandlungen oder Kriegserlebnisse. Betrogene leiden oft unter vergleichbaren Folgen: Sie durchleben immer wieder das Traumatische, verdrängen die Geschehnisse und vermeiden die Auseinandersetzung damit, oder sind unnatürlich übererregt und gereizt.

Geht an die Substanz: Vier Arten der Kränkung

Buchcover: Ohrfeige für die Seele: Wie wir mit Kränkung und Zurückweisung besser umgehen können Kränkungen erleben wir ständig – gerade in intimen Beziehungen. Hier kämen emotionale Verletzungen am häufigsten vor, schreibt die Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki in Ohrfeige für die Seele. Menschen, die uns besonders nahestehen, können uns am nachhaltigsten treffen, entsprechend hoch ist das Kränkungspotenzial in Partnerschaften. Untreue steht dabei an oberster Stelle. Wenn der Partner fremdgegangen ist, besteht die Kränkung nicht nur darin, dass man sich vom anderen abgelehnt und ungeliebt fühlt. Es ist nicht nur die Tatsache, dass der Partner jemand anderen sexuell oder emotional vorgezogen hat. Oft spielen andere Dinge für den Untreue-Schweregrad eine Rolle, auch die eigene Kränkungsneigung etwa – gut ist da zu wissen, wo es bei einem selbst am meisten schmerzt.

Der Vertrauensbruch

Den Fremdsex könnte man ja vielleicht noch verschmerzen. Aber der Vertrauensbruch, der damit einhergeht, ist im ersten Moment unverzeihlich. Für viele wiegt er weitaus schwerer als die sexuelle Handlung. Für manche ist es sogar unerheblich, ob und wie oft der Partner »Es« gemacht hat, Tatsache ist, dass er den anderen hintergangen hat. Buchcover: Die Psychologie der Untreue Menschen, die Affären haben, seien Lügner, so krass bringt es die amerikanische Untreue-Expertin Shirley Glass in »Die Psychologie der Untreue« auf den Punkt. Sie führen den Partner, den Geliebten und auch sich selbst hinters Licht und begehen so einen Vertrauensbruch auf verschiedenen Ebenen. Dabei ist es erstmal egal, ob sie es tun, um den anderen zu schützen oder um ihre Machenschaften zu verschleiern. Zwischen einer sogenannten Begehenslüge, die bewusst platziert wird, um untreu werden zu können und der Unterlassungslüge, die wichtige Informationen vertuscht, mag vielleicht moralisch ein Unterschied bestehen. Faktisch aber bleibt beides gleich: Der untreue Partner wiegt den anderen in Sicherheit, indem er ihn belügt. Das muss man erstmal verdauen – zumal bei vielen da auch Zweifel am eigenen Verstand aufkommen: Warum habe ich nichts gemerkt? War ich zu blöd, zu naiv? Glass meint übrigens, dass die wenigsten Betrogenen die Untreue geahnt, davor aber die Augen verschlossen haben. Viele Affären würden heimlich geführt und so arrangiert, dass der Partner nicht den Hauch einer Chance hat, irgendetwas zu bemerken. Vertrauen ist etwas, von dem man geliebten Menschen gerne einen ordentlichen Vorschuss gibt – der ist dann bis zum letzten Tropfen aufgebraucht, wenn die Untreue rauskommt. Was neben dem starken Kränkungsgefühl bleibt, ist häufig ein ausgeprägtes Misstrauen, das sich auch nicht durch Beteuerungen des Untreuen beschwichtigen lässt.

Der Verrat

Vom Partner betrogen zu werden, stellt nicht nur die Beziehung infrage, sondern auch die eigene Person. Warum hat er es getan? Wie konnte er mir das antun? Oft fühlen sich Betrogene verraten, weil der andere jemandem Dritten Einlass in die als exklusiv empfundene Zweierbeziehung gewährt hat. Die Kränkung geht dabei besonders tief, weil es nicht nur den Stolz verletzt, sondern auch unser Besitzdenken, also das persönliche Gerechtigkeitsempfinden betrifft. Buchcover: Wahre Liebe lässt frei! Wie Frau und Mann zu sich selbst und zueinander finden Der Motivationscoach Robert Betz meint in Wahre Liebe lässt frei, wir seien darauf gepolt, in Besitzkategorien zu denken. Wenn unser Partner beispielsweise Sex mit einem anderen hat, bricht er das implizite Treueversprechen und nimmt uns etwas. Das wird von vielen als regelrechter Verrat empfunden – selbst wenn es in der Beziehung schon kriselte. Darauf reagieren manche extrem empfindlich und leiden zusätzlich darunter, dass durch den bekannt gewordenen Seitensprung der marode Zustand der eigentlichen Partnerschaft für alle sichtbar wird. Damit ist auch die Loyalität und so eine der Voraussetzungen für eine stabile Beziehung zunächst mal futsch.

Der Vergleich mit dem Rivalen

Buchcover: Wenn Liebe fremdgeht. Vom richtigen Umgang mit Affären Wer ist sie? Was hat er, was ich nicht habe? Solche Fragen spuken vielen Betrogenen im Kopf herum. Das eigene Selbstwertgefühl bekommt einen gewaltigen Knacks, wenn der Partner fremdgegangen ist. Denn ganz offensichtlich hatte eine andere Person etwas so Anziehendes, dass der Partner nicht widerstehen konnte oder wollte. Da liegt es schmerzhaft nahe, sich selbst üblen Vergleichen auszusetzen. Eifersucht sei dann beinah zwangsläufig, schreibt Ulrich Clement in Wenn Liebe fremdgeht, jeder Mensch reagiere auf Gefährdung durch einen Rivalen alarmiert. Das werde oft als massiver Angriff auf die eigene Weiblichkeit beziehungsweise Männlichkeit empfunden. Minderwertigkeitsgefühle und Versagensängste können Folgen sein, wenn man sich immer wieder mit dem Affärenpartner vergleicht. Laut Shirley Glass kann das auch zwanghafte Ausmaße annehmen, etwa, wenn jemand besessen davon ist, den Konkurrenten auszuspionieren, um herauszufinden, was an ihm dran ist. Auch die Affärendetails können die Betrogenen quälen: Wann hat der Partner es wie gemacht? Wie hat er sich dabei gefühlt, war es besser, geiler als mit mir? Diese Informationssuche mündet eigentlich nur in eine fatale Langzeitkränkung, die einen konstruktiven Umgang mit der Untreue schwer macht.

Der Verlust der Unschuld – und der Illusionen

Egal, wie es auf lange Sicht danach weitergeht, eines ist sicher: Die Unschuld und die Sicherheit, die vor einer Affäre innerhalb einer Partnerschaft bestehen, können nie wieder völlig zurückgewonnen werden. Was Sie vielleicht für selbstverständlich gehalten haben – etwa, dass Sie und Ihr Partner als Dreamteam bis ans Ende Ihrer Tage leben – steht plötzlich infrage. Offensichtlich hat sich ja Ihr Partner nach was anderem umgeschaut und ist womöglich gar nicht mehr so überzeugt davon, dass Sie die oder der Richtige sind. Mit einem Mal sind Sie nicht mehr auf einer Ebene, was die Zukunft Ihrer Beziehung anbetrifft, und das ist ein herber Schlag ins Gesicht. Vielleicht haben Sie das gemeinsame Leben schon minutiös durchgeplant, womöglich haben Sie Kinder zusammen und sind auch im sozialen Leben eng verbunden. Da kommt der Seitensprung beinah einer Aufkündigung aller Vereinbarungen gleich. Gleichzeitig bedeutet das auch das Ende der romantischen Illusionen und Sie sehen alles in einem etwas anderen Licht. Viele Menschen neigen dazu, dann alles anzuzweifeln, auch die bisherige Vergangenheit. War es nicht immer unehrlich? War Ihre Beziehung vielleicht von Anfang an nichts weiter als eine Notlösung, bis was Besseres kommt? Solche Gedanken werden direkt auf Ihrem Kränkungskonto verbucht, ebenso wie der, dass Ihre ganze Partnerschaft ein großer Irrtum war.

Fazit: Keine Feigheit vor dem Feind – stellen Sie sich Ihren Kränkungen!

Ein Seitensprung kränkt immer auf vielfältige Weise. Wenn es nicht die Enttäuschung über den Partner ist, ist es vielleicht die Enttäuschung über sich selbst, dass man »Opfer« eines Liebesbetrugs wurde und sich nicht davor schützen konnte. Danach wird es anders, ohne Frage ändert Untreue vieles – aber ob nur im Negativen, oder auch im Positiven, das haben Sie mit in der Hand. Etwa, indem Sie herausfinden, was Sie an der Untreue besonders kränkt. Ist es, dass Ihr Partner jemand anderen sexuell oder emotional vorgezogen hat? Schmerzt Sie besonders, dass der andere Ihre Beziehung verraten hat oder leiden Sie am meisten darunter, dass der andere Ihr Vertrauen missbraucht hat? Klären Sie das für sich und nehmen Sie dann all Ihre Energie zusammen, um die Kränkung zu überwinden – egal, ob Sie Ihre Beziehung fortführen oder nicht.

Sorgen Sie für sich selbst

Auch wenn es abgedroschen klingt, sollten Sie auf sich achten und zwar im ganz klassischen Sinne. Schlagen Sie sich trotz allen Kummers nicht die Nächte um die Ohren mit hirnverbrannten Diskussionen, lenken Sie sich ab, wenn es geht und gehen Sie besser eine Ruhe Joggen als in die nächste Konfrontation. Auch wenn die Versuchung groß ist: Betäuben Sie Ihren Kummer nicht mit Alkohol und Tabletten – damit schalten Sie nur Ihren gesunden Menschenverstand aus.

Seien Sie nachsichtig mit sich selbst

Nehmen Sie es sich nicht übel, dass Sie nichts gemerkt haben oder Ihre erste Reaktion denkbar unangemessen war. Das ist verständlich und normal, es ist übermenschlich, in einer solchen Situation völlig rational zu bleiben. Bedenken Sie außerdem: Starke Gefühle und Unentschlossenheit können auch Zeichen dafür sein, dass Ihnen noch viel am anderen liegt.

Nehmen Sie die Dinge in Angriff – aber lassen Sie sich Zeit

Vieles müssen Sie sacken lassen, treffen Sie keine übereilten Entscheidungen. Gerade Kränkungen können uns dazu verleiten, es wieder gutmachen zu wollen – entweder indem Sie Ihrem Partner schnell vergeben oder sich sofort trennen. Hier heißt es: Ruhe bewahren. Geben Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um die Dinge zu verarbeiten und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Und hier reden wir nicht von Wochen, sondern von Monaten.

Schwer, aber möglich: Nehmen Sie die Untreue nicht persönlich

Wie sollte man eine derartige Kränkung nicht persönlich nehmen, fragen Sie sich? Das ist schon mal ein guter Ansatz. Denn ob Sie es glauben oder nicht: In vielen Fällen hat der Seitensprung weniger mit Ihnen oder der Beziehungsqualität zu tun, sondern mehr mit Ihrem Partner. Dessen Untreuemotive können alles andere als der Beweis dafür sein, dass er Sie nicht mehr liebt oder die Beziehung mit Ihnen beenden will. Das entbindet Sie nicht gleich von der Eigenverantwortung – letztlich müssen Sie für sich entscheiden, ob Sie den Seitensprung verzeihen wollen und können. Aber es kann Sie zumindest mal von den Kränkungen entlasten. Und das kann Sie frei machen für alles Weitere.

2 Minuten für die Wissenschaft

Mehr zum Thema: Das könnte Sie auch interessieren