So aufwühlend die Gefühle sind, so zermürbend fühlen sich auch die Dissonanzen an. Nach wenigen Monaten sind beide Beteiligten emotional wund bis auf die Knochen, die Liebe kann in Aggression und Schmerz umschlagen, die eben noch in Liebesschwüren vereinten »Königskinder« zerfleischen sich verbal, ein friedliches Ende scheint ebenso unmöglich wie freundschaftliche Koexistenz.
Kommt Ihnen das Szenario bekannt vor? Dann befinden Sie sich in bester Gesellschaft. Genau diese Art emotionale Achterbahn erleben tausende von Männern und Frauen in diesem Augenblick. Virtuelle Kommunikation fördert solche Verbindungen enorm.
Daraus entsteht in fast allen Fällen keine Beziehung, sondern eine exzessive Selbsterfahrung, die man – bewusst oder unbewusst – dem Partner nicht zumuten will und deshalb in aller Heimlichkeit die Außenbeziehung auslebt. Hier greift ebenfalls die Defizit-Theorie: Es wird eine Lücke geschlossen. Wir lernen etwas über uns selbst. Natürlich bleibt einem liebenden Partner so eine Entwicklung nicht verborgen. Und es würde in vielen Fällen den Verlauf entschärfen, rechtzeitig die Karten auf den Tisch zu legen, statt alles bis zum bitteren Ende im Alleingang durchzustehen und den Partner anzulügen. Damit ist nicht gemeint, dass Sie sich zuhause über die Außenbeziehung ausheulen sollten, das wäre respektlos. Aber sich Ihrem Lebenspartner behutsam zu vermitteln und ihn daran teilhaben zu lassen, was in Ihnen vorgeht, kann den Dialog und die Tiefe der Beziehung bereichern. Vielleicht hat Ihr Partner ja etwas Ähnliches erlebt?
Neben diesen extremen Selbsterfahrungs-Lieben gibt es natürlich auch die »echte« Liebe. Wer sie gefunden hat, sollte ihr mit klaren Entscheidungen und Konsequenzen beim Wachsen helfen.
Heimliche Außenbeziehungen
Falls Sie glauben, diese Entscheidung in aller Heimlichkeit treffen zu können: falsch gedacht. Heimliche Lieben können jahrelang bestehen, aber sie fressen ungeheuer viel Energie und zerstören nicht nur die Basisbeziehung, sondern sabotieren aufgrund der ständigen Lügen auch Ihr soziales Netz.Wenn Sie für sich beanspruchen, keine heimlichen Außenbeziehungen zu führen, sondern tatsächlich überzeugt sind, zu lieben, dann erweisen Sie diesem großen Begriff die nötige Ehre: raus aus der Heimlichkeit!
Den Satz »ich will meinen Partner nicht verletzen und schütze ihn lieber vor der Wahrheit« formulieren Sie bitte nicht mal im Traum. Diese scheinbar hehre Aussage wurde dank der Omnipräsenz des Themas bereits so eindeutig als feige Ausrede enttarnt, dass Sie sich damit bestenfalls als Weichei outen würden. Legen Sie die Karten auf den Tisch. Erst dann sind faire Entscheidungen möglich.
Falls Sie sich statt dessen entscheiden, die Außenbeziehung zu beenden, fragen Sie sich genau, warum Sie das tun. Aus Schuldgefühlen, um die Basisbeziehung zu retten? Oder weil Ihnen zwei Lieben einfach nicht geheuer sind? Weil die Liebe zum Außenpartner doch nicht soooo groß ist, dass sie den Sprung aus der Heimlichkeit überstehen würde? Oder weil Sie Ihren Partner so sehr lieben, dass Sie in eine exklusive Beziehung zurück möchten?
Seite 1: Zwischen zwei großen Lieben entscheiden
Seite 2: Echte Liebe oder nur Bedürfnis-Erfüllung
Seite 3: Kopf oder Herz: Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf
Seite 4: Außenbeziehung - Entscheidung in aller Heimlichkeit?
Seite 5: Ehrlichkeit als Liebesbeweis macht frei















